Bergkristall

Bergkristall ist die farblose, klare Varietät des Quarzes. Er zeigt die Kristallform der Quarzgruppe so deutlich wie kaum ein anderes Stück und ist deshalb das Lehrbeispiel für den Aufbau eines Kristalls.

Bergkristall: ein einzelnes klares sechsseitiges Prisma mit pyramidaler Spitze und feiner waagerechter Riefung
Sechsseitiges Prisma mit Rhomboeder-Spitze. Die feinen waagerechten Streifen auf den Prismenflächen sind für Quarz typisch und ein gutes Echtheitsmerkmal. Mit KI erzeugte Illustration, kein Foto eines bestimmten Fundstücks.

Die Kristallform

Ein gut ausgebildeter Bergkristall besteht aus einem sechsseitigen Prisma, das an einem Ende in eine Spitze aus sechs Flächen übergeht. Diese Spitze ist keine echte Pyramide, sondern die Kombination zweier Rhomboeder, was man an den unterschiedlich großen Flächen erkennt.

Auf den Prismenflächen liegen feine waagerechte Streifen. Sie entstehen beim Wachstum und sind ein verlässliches Echtheitsmerkmal: Glasimitate haben sie nicht.

Meist ist nur ein Ende ausgebildet, weil das andere am Muttergestein festgewachsen war. Kristalle mit Spitzen an beiden Enden heißen Doppelender und sind frei in weichem Material gewachsen.

Bergkristall-Gruppe: mehrere klare Prismen mit ausgebildeten Spitzen auf gemeinsamer Basis
Fotorealistische Darstellung einer Kristallgruppe. Jeder Kristall ist am unteren Ende mit der Basis verwachsen und nur oben frei ausgebildet. Ebenfalls mit KI erzeugt.

Bergkristall oder Glas

Weitere Unterschiede: Bergkristall ritzt Fensterglas, umgekehrt geht es nicht. Und er enthält fast immer kleine Einschlüsse, Trübungen oder Wachstumsspuren. Ein vollkommen makelloses, blasenfreies Stück ist verdächtig, kleine runde Bläschen sind sogar ein sicheres Zeichen für Glas.

Vorkommen

Bergkristall wächst in Klüften und Hohlräumen, wo kieselsäurehaltige Lösungen zirkulieren konnten. Die berühmtesten europäischen Funde stammen aus alpinen Klüften in der Schweiz und in Österreich, wo einzelne Kristalle Zentnergewicht erreichen.

Die ergiebigsten europäischen Fundgebiete liegen in den Schweizer Zentralalpen: die Region St. Gotthard, der Furkapass, der Steingletscher und das Gebiet um den Gornergrat bei Zermatt. Dort legt die Erosion laufend neue Klüfte frei, die Fundstellen sind über markierte Wanderwege erreichbar. Am Gotthard wurde historisch ein Kristall von 135 Kilogramm geborgen.

In Österreich sind die Hohen Tauern und das Großglocknergebiet die bekannten Reviere. In Deutschland kommt Bergkristall im Schwarzwald vor, unter anderem in der noch aktiven Grube Clara bei Oberwolfach.

Quellen

  1. Handbook of Mineralogy (Mineralogical Society of America)
  2. RRUFF-Datenbank, Raman- und Röntgendaten (CC-BY 4.0)
  3. IMA-CNMNC: Aktuelle Liste anerkannter Minerale

Fachlich zuletzt geprüft am 02.08.2026.