Türkis
Türkis ist ein Kupfer-Aluminium-Phosphat, das in feinkörnigen Knollen und Adern wächst. Es ist porös, empfindlich und begehrt, und genau deshalb ist ein großer Teil des Türkis im Handel stabilisiert, aus Pulver gepresst oder gar kein Türkis.
Kupfer, Eisen und Matrix
Das Blau des Türkis kommt vom Kupfer, das zu seiner Formel gehört. Ersetzt Eisen einen Teil des Aluminiums, verschiebt sich die Farbe ins Grünliche, bis hin zum eisenreichen Verwandten Chalkosiderit. Türkis bildet fast nie sichtbare Kristalle, sondern kryptokristalline Knollen und Adern im Gestein.
Oft durchzieht ein Netz aus braunem oder schwarzem Muttergestein den Stein, im Handel Matrix oder bei feinem Muster Spiderweb genannt. Bei echtem Türkis liegt die Matrix nach dem Polieren meist etwas tiefer als der Türkis, weil das Gestein weicher ist. Aufgemalte Matrix fehlt diese Stufe.
Stabilisiert, gepresst, gefärbt
Laut GIA wird Türkis häufig behandelt. Die CIBJO nennt die üblichen Verfahren:
- Stabilisiert: mit Kunstharz getränkt. Das härtet poröses Material, das sich sonst nicht polieren ließe, und vertieft die Farbe.
- Gewachst oder oberflächlich beschichtet.
- Gefärbt, gelegentlich samt aufgemalter Matrix.
- Zachery-Verfahren: eine Behandlung ohne Kunststoff, die laut Gems & Gemology bei Millionen Karat angewandt wurde. Sie verringert die Porosität und verbessert die Politur und lässt sich nur über einen erhöhten Kaliumgehalt im Labor nachweisen.
Howlith, Magnesit und Gilson
Die häufigste Imitation ist gefärbter Howlith oder Magnesit. Beide sind von Natur aus weiß mit grauen Adern, die nach dem Färben täuschend echt als Matrix wirken. Sicher unterscheiden lässt sich das per Infrarotspektroskopie. Hinzu kommen Chrysokoll, Glas und gesinterte Produkte.
Ein Sonderfall ist das Material von Pierre Gilson aus den frühen 1970er Jahren. Das GIA führt es als Imitation, andere Untersuchungen fanden darin kristallinen Türkis und nannten es die einzige echte Synthese. Ob Imitation oder Synthese, ist bis heute umstritten.
Empfindlich im Alltag
Türkis ist mit einer Härte von 5 bis 6 weich und je nach Porosität wenig zäh. Vor allem nimmt er auf, was an ihn kommt: Hautfett, Kosmetik, Parfüm und Reinigungsmittel ziehen ein und dunkeln ihn mit der Zeit nach. Ultraschall und Dampf sind tabu. Türkisschmuck legt man deshalb zuletzt an und zuerst ab.
Name und Fundorte
Der Name bedeutet „türkischer Stein“, weil der Türkis über türkische Handelswege nach Europa kam. In der Türkei selbst kommt er nicht vor. Die alten Ägypter trugen Türkis, ihre Lagerstätten auf dem Sinai sind heute erschöpft. In China wurde Türkis vor mehr als 3000 Jahren geschnitzt.
Das klassische „persische Blau“ kommt aus Ma’dan bei Neyshabur im Iran. Die meiste Weltproduktion stammt heute aus den USA, vor allem aus Arizona, Nevada und New Mexico, und aus China, aus den Provinzen Hubei und Shaanxi.
Quellen
- GIA: Turquoise, Beschreibung, Geschichte und Kaufberatung
- CIBJO Retailers’ Reference Guide, Gemstones (2021)
- Handbook of Mineralogy: Türkis (PDF, Mineralogical Society of America)
- Fritsch et al.: Identification of Zachery-Treated Turquoise, Gems & Gemology 1999
- Gems & Gemology 2024: Infrared Spectroscopy (Howlith, Magnesit)
- GIA: Gem Imitation
