Moldavit

Moldavit ist ein grünes Naturglas, entstanden vor rund 14,8 Millionen Jahren, als ein Asteroid das Nördlinger Ries in Bayern schlug. Die Hitze schmolz Sand an der Oberfläche, schleuderte ihn Hunderte Kilometer weit, und er erstarrte im Flug zu Glas. Gefunden wird er vor allem in Tschechien.

Glas aus einem Einschlag

Moldavit gehört zu den Tektiten, natürlichen Gläsern, die bei Meteoriteneinschlägen entstehen. Als der Asteroid das Ries traf, schmolz er nicht selbst zu Moldavit. Geschmolzen wurden die lockeren Sande an der damaligen Oberfläche, Ablagerungen der Oberen Süßwassermolasse. Die Schmelze wurde herausgeschleudert und erstarrte im Flug.

Datiert ist der Einschlag heute sehr genau: Eine Argon-Argon-Datierung an Moldaviten ergab 14,808 Millionen Jahre. Moldavit besteht zu rund 80 Prozent aus Kieselsäure, ist amorph wie jedes Glas und mit einer Dichte um 2,35 leichter als die meisten Minerale. Der Name kommt von der Moldau, tschechisch Vltava, an deren Oberlauf er gefunden wird.

Im Krater selbst blieb ein anderes Einschlaggestein zurück, der Suevit. In Deutschland kommt er nur im Geopark Ries vor und war 2024 Gestein des Jahres.

Das Streufeld

Moldavite liegen nicht im Ries, sondern 200 bis 450 Kilometer ostnordöstlich davon, in einem Fächer, der zeigt, in welche Richtung die Schmelze flog. Die Fundgebiete liegen in Südböhmen, in Westmähren, im Becken von Cheb, in der Lausitz und im niederösterreichischen Waldviertel bei Horn, wo allerdings nur etwa 20 Stücke bekannt sind.

Echt oder Glas

Seit etwa 2021 ist die Nachfrage nach Moldavit stark gestiegen, und mit ihr die Zahl der Fälschungen aus grünem Glas. Echte Moldavite enthalten winzige Einschlüsse von Lechatelierit, fast reinem Kieselglas, oft als gewundene Fäden, dazu längliche Blasen und Fließschlieren. Die Oberfläche ist natürlich zerfurcht, kleine Stücke sind die Regel.

Ries und Steinheim

Rund 40 Kilometer südwestlich des Ries liegt das viel kleinere Steinheimer Becken. Lange galten beide als Doppeleinschlag eines Asteroiden mit Begleiter. Eine Arbeit von 2022 kam dagegen zu dem Schluss, dass es zwei getrennte Ereignisse waren, der Steinheimer Einschlag etwa 0,8 Millionen Jahre nach dem Ries. Mehr zu Glas vulkanischen Ursprungs steht beim Obsidian.

Quellen

  1. Trnka, Houzar: Moldavites, a review, Bulletin of the Czech Geological Survey 77 (2002)
  2. Schmieder et al.: A high-precision 40Ar/39Ar age for the Nördlinger Ries, Geochimica et Cosmochimica Acta 220 (2018)
  3. Stöffler, Artemieva, Pierazzo: Modeling the Ries-Steinheim impact event, Meteoritics & Planetary Science 37 (2002)
  4. Buchner, Sach, Schmieder: Ries and Steinheim, two separate impacts, Scientific Reports 12 (2022)
  5. LfU Bayern: Suevit, Gestein des Jahres 2024