Schiefer

Schiefer spaltet in ebene, dünne Platten. Diese Eigenschaft hat ihn zum klassischen Dachdeckmaterial gemacht und ihm seinen Namen gegeben. Entscheidend ist dabei ein Punkt, der oft verwechselt wird: Die Spaltflächen haben mit der ursprünglichen Schichtung nichts zu tun.

Schiefer: dunkelgraues Handstück, das in ebene parallele Platten spaltet, mit seidigem Glanz auf den Flächen
Die ebenen Spaltflächen mit ihrem seidigen Schimmer entstehen, weil sich die Glimmerplättchen unter Druck alle in dieselbe Richtung gestellt haben. Mit KI erzeugte Illustration, kein Foto eines bestimmten Fundstücks.

Schieferung ist keine Schichtung

Schiefer entsteht aus Tonstein, also aus einem geschichteten Sediment. Man könnte annehmen, die Spaltflächen folgen diesen alten Schichten. Das ist meist falsch.

Praktisch bedeutet das: Zwei Richtungen können auf demselben Stück sichtbar sein. Feine Farbbänder zeigen die alte Schichtung, die glänzenden Spaltflächen die Schieferung. Wo sich beide kreuzen, lässt sich die Verformungsgeschichte des Gesteins ablesen.

Der seidige Glanz auf den Spaltflächen stammt von den eingeregelten Glimmerplättchen, die das Licht alle in dieselbe Richtung reflektieren.

Die Umwandlungsreihe

Schiefer ist eine Stufe in einer längeren Reihe. Mit steigendem Druck und steigender Temperatur durchläuft ein Tonstein nacheinander:

  1. Tonstein, noch sedimentär, feinkörnig und matt
  2. Schiefer, erste Schieferung, seidiger Glanz
  3. Phyllit, deutlicher Glanz, Glimmer noch nicht einzeln sichtbar
  4. Glimmerschiefer, Glimmerblättchen mit bloßem Auge erkennbar
  5. Gneis, deutliche Bänderung in helle und dunkle Lagen

Mit jeder Stufe werden die Körner gröber. Wo diese Reihe im Gesamtbild steht, ist unter Gesteinskreislauf beschrieben.

Verwendung

Weil sich Schiefer in dünne, ebene und zugleich wetterfeste Platten spalten lässt, war er über Jahrhunderte das wichtigste Dachdeckmaterial in Mittelgebirgsregionen. Ein gut gedecktes Schieferdach hält über hundert Jahre.

Daneben diente er als Wandverkleidung, als Bodenplatte und historisch als Schreibtafel in Schulen, wovon der Ausdruck Schiefertafel stammt.

Vorkommen

Schiefer entsteht in den Randbereichen von Gebirgen, wo Sedimente unter mäßigem Druck verformt wurden. In Deutschland ist das Rheinische Schiefergebirge die namengebende Region, dazu kommen Vorkommen im Thüringer Schiefergebirge und im Harz.

Der Abbau für Dachschiefer konzentriert sich heute auf wenige Standorte. In Deutschland wird noch bei Mayen in der Eifel gewonnen, historisch waren außerdem Lehesten im Thüringer Schiefergebirge und die Gruben um Bundenbach an der Nahe bedeutend. Bundenbach ist zugleich eine der wichtigsten Fossilfundstellen des deutschen Devons.

Halden alter Schiefergruben wirken auf den ersten Blick frei zugänglich, gehören aber fast immer jemandem und stehen teilweise unter Schutz. Was erlaubt ist, steht unter Fundorte und Sammelrecht.

Quellen

  1. Geowiki der LMU München: Gesteinssystematik
  2. Mineralienatlas: Gesteinsdaten
  3. Handbook of Mineralogy (Mineralogical Society of America)

Fachlich zuletzt geprüft am 01.08.2026.