Nephrit

Nephrit ist die ältere der beiden Jade-Arten, in China über Jahrtausende die einzige. Er besteht aus feinsten, verfilzten Fasern von Tremolit und Aktinolith, zwei Amphibolen. Dieses Gefüge macht ihn zäher als Jadeit, obwohl er etwas weicher ist.

Ein Gefüge, kein Mineral

Nephrit ist streng genommen kein eigenes Mineral. Die Internationale Mineralogische Assoziation hat den Namen als Mineralart gestrichen. Gemeint ist eine besondere Form zweier Amphibole, des eisenarmen Tremolits und des eisenreichen Aktinoliths, die als unzählige feine Fasern ineinander verfilzt sind.

Die Farbe hängt am Eisen. Eisenreicher Aktinolith ergibt das typische Spinat- bis Olivgrün, eisenarmer Tremolit weißen bis grauen Nephrit. Kleine schwarze Punkte sind Erzeinschlüsse.

Zäher als Jadeit

Messungen im American Mineralogist von 1973 ergaben, dass Nephrit fast doppelt so viel Energie braucht wie Jadeit, um einen Bruch fortzupflanzen. Der Grund ist das Filzgefüge, in dem sich ein Riss durch ein Gewirr von Fasern arbeiten muss. Jadeit ist dafür etwas härter. Wer Nephrit für die „schwächere“ Jade hält, verwechselt Härte mit Zähigkeit.

Behandelt wird Nephrit selten. Gegen Oberflächenrisse hilft Paraffin, gelegentlich wird er zum Aufhellen erhitzt, gefärbte Ware ist die Ausnahme.

Verwechslungen

Serpentin, im Handel auch Bowenit, sieht Nephrit ähnlich, ist aber leichter und bricht das Licht schwächer, um 1,56. Prehnit hat eine ähnliche Dichte, lässt sich aber mit dem Refraktometer trennen. Im Spektroskop zeigt Nephrit meist keine Linien.

Steinzeit, China, Neuseeland

Nephrit ist einer der ältesten Werkstoffe der Menschheit. In China, in Europa, etwa in den Pfahlbausiedlungen an Schweizer Seen, und anderswo wurden daraus schon in der Steinzeit Beile und Werkzeuge geschliffen, gerade wegen seiner Zähigkeit.

In China heißt jadeartiger Stein seit etwa 5000 vor Christus yu, und bis mindestens ins 13. Jahrhundert war damit Nephrit gemeint. In Neuseeland war eine Kriegskeule aus Jade, der Mere, ein Zeichen von Häuptlingswürde.

Fundorte

Die klassische chinesische Quelle liegt im Kunlun-Gebirge in Xinjiang, südlich von Hotan, wo Nephrit aus dem Weißen und dem Schwarzen Jade-Fluss gesammelt wird. Weitere Vorkommen gibt es in British Columbia in Kanada, im Handel als „B.C. Jade“, auf der Südinsel Neuseelands, in Wyoming und Alaska, in Russland, Südkorea und Australien.

Quellen

  1. GIA: Jade, Beschreibung und Geschichte
  2. CIBJO Retailers’ Reference Guide, Gemstones (2021)
  3. Handbook of Mineralogy: Aktinolith (PDF, Mineralogical Society of America)
  4. Handbook of Mineralogy: Tremolit (PDF, Mineralogical Society of America)
  5. Hobbs: The Jade Enigma, Gems & Gemology 1982
  6. Bradt et al.: The Toughness of Jade, American Mineralogist 58 (1973)