Zirkon

Zirkon ist ein natürliches Zirkoniumsilikat mit Diamantglanz und starkem Farbenspiel. Mit Zirkonia, dem synthetischen Diamantersatz, hat er außer dem Namensanfang nichts gemeinsam. Dafür hält er einen anderen Rekord: Ein Zirkon aus Australien ist das älteste datierte Stück Erde.

Zirkon ist nicht Zirkonia

Die Verwechslung liegt am Namen. Zirkon ist ein Mineral, das seit Jahrtausenden in der Natur vorkommt, Zirkonia ein künstlich erschmolzenes Zirkoniumoxid, das seit den späten 1970er Jahren als preiswerter Diamantersatz dient.

ZirkonZr[SiO4]
ZirkoniaZrO2, synthetisch
Herkunft unterscheidet sicher
natürliches Mineral
künstlich hergestellt
Optik unterscheidet sicher
doppelbrechend, hintere Kanten erscheinen doppelt
einfach brechend, Kanten einfach
Chemie
Zirkoniumsilikat
Zirkoniumoxid
Kristallsystem
tetragonal
kubisch
Mohshärte
6 bis 7,5
8

Mit der Lupe durch die Tafel schauen: Erscheinen die hinteren Facettenkanten verdoppelt, ist es Zirkon. Zirkonia zeigt sie einfach.

Kurios ist, dass farbloser Zirkon selbst lange als Diamantersatz diente, bevor Zirkonia ihm diese Rolle abnahm.

Hoch, tief und metamikt

Zirkon baut in sein Gitter oft Spuren von Uran und Thorium ein. Deren Zerfall zerstört über Jahrmillionen nach und nach die Kristallstruktur, bis der Zirkon fast amorph ist. Man nennt das metamikt. Die Gemmologie unterscheidet deshalb Hoch-Zirkon mit intaktem Gitter, hoher Lichtbrechung und Härte 7,5 von Tief-Zirkon, der weicher ist und das Licht schwächer bricht. Metamikter Zirkon kann schwach radioaktiv sein.

Blau durch Brennen

Natürlicher Zirkon ist meist gelbbraun bis braun. Die leuchtend blauen Steine im Handel sind gebrannt. Laut Gems & Gemology gilt aller blaue Zirkon als erhitzt, bei 900 bis 1000 °C unter Sauerstoffabschluss. Auch Rot, Orange und Gelb entstehen so.

4,4 Milliarden Jahre

Zirkon ist chemisch und mechanisch so widerstandsfähig, dass er Erosion, Umlagerung und sogar Metamorphose übersteht. Weil er beim Wachsen Uran einbaut, aber kaum Blei, lässt er sich zudem sehr genau datieren. In den Jack Hills in Westaustralien fand man in einem jüngeren Gestein ein einzelnes Zirkonkorn, das 4404 Millionen Jahre alt ist. Eine Untersuchung mit Atomsonden-Tomographie bestätigte 2014 das Alter. Es ist das älteste datierte Material, das von der Erde selbst stammt, nur rund 150 Millionen Jahre jünger als der Planet.

Name und Fundorte

Der Name geht wohl auf das persische zargun zurück, goldfarben. In viktorianischem Schmuck der 1880er Jahre war blauer Zirkon beliebt, der amerikanische Mineraloge George Kunz schlug dafür den Namen „Starlite“ vor.

Schmuckzirkon kommt vor allem aus Kambodscha, wo die Provinz Ratanakiri den blauen Brennstein liefert, aus Sri Lanka, Myanmar, Australien, Madagaskar und Tansania.

Quellen

  1. GIA: Zircon, Beschreibung und Geschichte
  2. CIBJO Retailers’ Reference Guide, Gemstones (2021)
  3. Handbook of Mineralogy: Zirkon (PDF, Mineralogical Society of America)
  4. Gems & Gemology 2016: Reversible Color Modification of Blue Zircon
  5. Wilde et al.: Evidence from detrital zircons, Nature 409 (2001)
  6. Valley et al.: Hadean age for a post-magma-ocean zircon, Nature Geoscience 7 (2014)
  7. GIA: Gem Imitation