Donnerkeil
Ein Donnerkeil ist kein Stein. Was da zigarrenförmig und spitz im Ostseekies liegt, ist der versteinerte Rest eines Tieres, das vor mehr als 66 Millionen Jahren im Meer gelebt hat. Erkennen lässt es sich an einem einzigen Merkmal, das kein Kieselstein nachmacht.

Das Merkmal, an dem es hängt
Brechen Sie ein Stück quer durch oder suchen Sie sich eines, das schon gebrochen ist. In der Bruchfläche laufen feine Fasern strahlenförmig von der Mitte nach außen, wie die Speichen eines Rades. Dazu kommen zarte konzentrische Ringe. Diese Struktur entsteht, weil das Tier sein Rostrum in Lagen aus radial gewachsenem Calcit aufgebaut hat.
Kein durch Wasser gerundeter Kieselstein zeigt das. Wer die Fasern sieht, hat einen Belemniten in der Hand, und zwar sicher.
Von welchem Tier es stammt
Belemniten waren Kopffüßer, näher mit heutigen Tintenfischen verwandt als mit Muscheln oder Schnecken. Sie lebten vom Trias bis zum Ende der Kreidezeit und verschwanden vor rund 66 Millionen Jahren zusammen mit den Dinosauriern.
Vom ganzen Tier bleibt fast nie etwas übrig. Was man findet, ist das Rostrum, ein massiver Calcitkörper aus dem Hinterende, der als Gegengewicht zum Kopf diente. Weichteile, Fangarme und die dünnwandigen Kammern zerfielen, der massive Kalkkörper überstand die Zeit. Deshalb kennt fast jeder das Hinterteil eines Belemniten, aber kaum jemand das Tier.
Woher der Name kommt
Man hielt die Stücke früher für erstarrte Blitze, die bei einem Gewitter in den Boden gefahren waren. Daher Donnerkeil, daher auch Teufelsfinger und Fingerstein. Zerrieben wurden sie als Heilmittel verkauft, unter anderem gegen Augenleiden und, in der Tiermedizin, gegen Koliken bei Pferden.
Der wissenschaftliche Name geht dagegen auf das griechische bélemnon für Wurfgeschoss zurück, was die Form gut trifft.
Wo man sie findet
An der Ostsee praktisch überall dort, wo Kreide ansteht oder wo eiszeitliches Geschiebe liegt: Rügen, Fehmarn, die Kieler und Lübecker Bucht. Die Stücke stammen aus der Kreide und wurden von den Gletschern verfrachtet. In Süddeutschland kommen sie aus dem Jura, dort meist aus Tongruben und Steinbrüchen.
Nach Stürmen ist die Ausbeute am besten, weil frisches Material freigespült wird. Was beim Sammeln erlaubt ist und wo Naturschutz vorgeht, etwa an den Kreidefelsen im Nationalpark Jasmund, steht unter Fundorte und Sammelrecht.
Womit man sie verwechselt
| Fund | Unterschied zum Donnerkeil |
|---|---|
| Gerundeter Kalkstein | keine Strahlenstruktur im Bruch, keine Spitze, meist unregelmäßiger Umriss |
| Seeigelstachel | ebenfalls länglich, aber innen mit einem feinen Kanalmuster statt durchgehender Fasern, außerdem deutlich kleiner |
| Abgerollter Basaltstift | dunkel und dicht, kein Kalk: Er braust mit Säure nicht auf, siehe Basalt |
| Bruchstück einer Muschel | gebogen und flach statt zigarrenförmig, oft mit sichtbaren Wachstumslinien auf der Außenseite |
Ein Tropfen verdünnte Salzsäure oder Essig hilft weiter: Der Donnerkeil besteht aus Calcit und braust auf. Wie der Test genau funktioniert und was er sonst noch verrät, steht unter Minerale bestimmen.
Quellen
- Doyle & Bennett: Belemnites in biostratigraphy, Palaeontology
- Mineralienatlas: Calcit
- Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern, Geschiebefunde