Hühnergott

Ein Hühnergott ist ein Stein mit einem Loch, meist ein Feuerstein von der Ostsee. Das Loch hat nicht die Brandung hineingebohrt, wie oft erzählt wird, sondern es war von Anfang an angelegt. Der Stein ist nur drumherum entstanden.

Ein vom Meer gerundeter Feuerstein mit einem unregelmäßigen, außermittigen Loch, das ganz hindurchgeht
Das Loch sitzt außermittig, ist oval und hat unregelmäßige Ränder. Ein rundes, sauber gebohrtes Loch wäre ein Hinweis auf Handarbeit. Mit KI erzeugte Illustration, kein Foto eines bestimmten Fundstücks.

Wie das Loch entsteht

Feuerstein bildet sich in Kreideschlamm rund um etwas herum, das dort schon liegt: ein Schwammskelett, eine Muschel, einen Bau eines grabenden Tieres. Bleibt in dieser Füllung weicheres Material zurück, meist Kalk oder Reste des Schwamms, wird es später herausgewaschen. Übrig bleibt der harte Feuerstein mit einem Hohlraum.

Die Brandung rundet das Stück dann ab und weitet das Loch, gebohrt hat sie es nicht. Genau deshalb sind echte Löcher unregelmäßig, oft oval und selten mittig. Ein kreisrundes, sauber zylindrisches Loch stammt eher von Menschenhand oder von einer bohrenden Muschel.

Woraus der Stein besteht

Feuerstein, auch Flint genannt, ist dichter Chalcedon, also mikrokristalliner Quarz. Die Kieselsäure dafür stammt aus den Skeletten von Kieselschwämmen, die sich im Kreidemeer auflösten und im Sediment neu ausfielen.

Daraus folgen die Eigenschaften: Härte 7, muscheliger Bruch mit rasiermesserscharfen Kanten und ein glasiger Glanz auf frischen Flächen. Dieselbe Kombination machte Feuerstein zum wichtigsten Werkstoff der Steinzeit.

Woran man ein echtes erkennt

MerkmalNatürlich entstandenNachgeholfen
Form des Lochs unregelmäßig, oft oval oder schief kreisrund, gleichmäßig
Lage selten mittig meist genau in der Mitte
Ränder ausgefranst, verschieden dick, mitgerundet gleichmäßig, scharfkantig oder erkennbar geschliffen
Innenwand rau, teils mit Resten der weichen Füllung glatt, oft mit Bohrspuren

Woher der Name kommt

Der Ausdruck stammt aus dem Russischen, kurinyj bog, wörtlich Hühnergott. Nach altem Volksglauben wurde ein solcher Stein im Hühnerstall aufgehängt, um die Tiere vor Krankheit und vor dem Zugriff des Marders zu schützen. Über die Ostseeküste kam der Name in den deutschen Sprachraum und wurde hier ab den 1960er Jahren populär.

Als Glücksbringer gilt der Lochstein in vielen Küstenregionen, unter anderem in England als hag stone. Mit den Eigenschaften des Materials hat das nichts zu tun, es ist Kulturgeschichte, so wie sie im Bedeutungs-Bereich behandelt wird.

Wo Feuerstein herkommt und was man am Strand mitnehmen darf, steht unter Fundorte und Sammelrecht.

Quellen

  1. Mineralienatlas: Feuerstein
  2. Geologischer Dienst Schleswig-Holstein: Feuerstein und Geschiebe
  3. Handbook of Mineralogy: Quartz (Mineralogical Society of America)