Serpentinit

Serpentinit ist Erdmantel, der Wasser aufgenommen hat. Aus dem schweren Peridotit wird dabei ein leichteres, meist grün geflecktes Gestein aus Serpentin-Mineralen. Es ist ein beliebter Werkstein, birgt beim Bearbeiten aber eine Asbestgefahr.

Wie Erdmantel zu Serpentinit wird

Peridotit, das Gestein des oberen Erdmantels, besteht vor allem aus Olivin. Gelangt er in Kontakt mit Wasser, etwa an mittelozeanischen Rücken oder in Subduktionszonen, wandelt sich der Olivin in Serpentin-Minerale um. Dabei sinkt die Dichte von etwa 3,3 auf etwa 2,5 Gramm je Kubikzentimeter, und das Gestein dehnt sich um rund ein Drittel aus.

Serpentin ist keine einzelne Mineralart, sondern eine Gruppe. Die häufigste ist Lizardit, benannt nach der Halbinsel Lizard in Cornwall, dazu kommen Antigorit und der faserige Chrysotil. Serpentinit ist das Gestein, das aus ihnen besteht.

Asbest: nur ein Teil

Von den drei Serpentin-Mineralen bildet nur der Chrysotil Fasern, er ist der Weißasbest. Lizardit und Antigorit sind plattig. Serpentinit ist also nicht gleich Asbest, kann aber Chrysotil enthalten. Beim Sägen und Schleifen ist deshalb Vorsicht geboten, beim fertigen, polierten Werkstück nicht.

Im Handel wird Serpentinit oft als „grüner Marmor“ verkauft. Das ist irreführend, denn er enthält kaum Karbonat. Ein berühmter antiker Werkstein war Verde Antico aus Thessalien, eine Serpentinit-Brekzie, verbaut unter anderem in der Hagia Sophia.

Zöblitz und die Serpentindrechsler

In Zöblitz im Erzgebirge wurde Serpentinit seit dem 15. Jahrhundert abgebaut und gedrechselt. Der Stein in Dunkelgrün, Hellgrün, Grau, Gelb und Rot schmückt Balustraden der Dresdner Hofkirche und der Semperoper, im Grünen Gewölbe stehen Gefäße daraus. Der Steinbruch schloss 2012.

Weitere deutsche Vorkommen liegen bei Wurlitz nahe Rehau in Oberfranken und am Föhrenbühl bei Erbendorf in der Oberpfalz, einem Stück ehemaliger Ozeankruste und Erdmantel, das vor rund 375 Millionen Jahren umgewandelt wurde.

Farne, Böden und Wasserstoff

Böden über Serpentinit sind arm an Nährstoffen, haben viel Magnesium und wenig Calcium und enthalten Nickel und Chrom. Nur wenige Pflanzen kommen damit zurecht. Am Föhrenbühl wächst der streng geschützte Braungrüne Streifenfarn, der auf Serpentinit spezialisiert ist.

Die Serpentinisierung liefert außerdem Wasserstoff und Methan. Am Lost-City-Feld im Atlantik steigen solche Fluide aus Serpentinit am Meeresgrund auf und ernähren ein ganzes Ökosystem von Mikroben.

Quellen

  1. Handbook of Mineralogy: Lizardit, Antigorit, Klinochrysotil (PDF, Mineralogical Society of America)
  2. LfU Bayern: Serpentinit am Föhrenbühl bei Erbendorf
  3. Stadt Zöblitz: Serpentinstein
  4. Kelley et al.: A serpentinite-hosted ecosystem, the Lost City hydrothermal field, Science (2005)