Ametrin
Ametrin ist ein Quarz, in dem Amethyst und Citrin im selben Kristall verwachsen sind: violette und goldgelbe Zonen, scharf voneinander getrennt. Nahezu der gesamte natürliche Ametrin stammt aus einer einzigen Mine im Osten Boliviens.
Zwei Farben, ein Kristall
Ein Quarzkristall wächst an mehreren Flächen gleichzeitig, und jede Fläche baut Fremdatome etwas anders ein. Im Ametrin sind die großen Rhomboederflächen violett, also Amethyst, die kleineren dazwischen goldgelb, also Citrin. Schneidet man den Kristall auf, liegen die Farben in scharf begrenzten Sektoren nebeneinander. Gems & Gemology zeigte 1994, dass die violetten Sektoren verzwillingt sind, die gelben nicht.
Die violette Farbe ist empfindlich. Bei 400 °C verschwindet sie, und im Sonnenlicht verlor sie in einem Versuch in sieben Wochen ein Drittel ihrer Intensität. Ametrin gehört deshalb nicht dauerhaft in die Sonne.
Die Anahí-Mine
Die einzige kommerzielle Quelle ist die Anahí-Mine im Osten Boliviens. Ametrin ist seit den 1970er Jahren im Handel, bis 1989 wurde er aber illegal abgebaut und über Mato Grosso geschmuggelt. Deshalb galt er lange als brasilianischer oder uruguayischer Stein. Zwischen 1989 und 1994 wurden über 100 Tonnen Kristalle gefördert.
Um die Mine rankt sich eine Legende: Ein spanischer Konquistador habe im 17. Jahrhundert die Ayoreo-Prinzessin Anahí geheiratet und die Mine als Mitgift erhalten. Belegt ist davon nichts, Gems & Gemology spricht ausdrücklich von einer Mine, die in Legenden gehüllt ist. Ein weiterer Handelsname ist Bolivianit.
Künstlich und synthetisch
Schon 1981 zeigte der Gemmologe Kurt Nassau, dass sich durch Bestrahlen und Erhitzen aus Amethyst zweifarbige Steine erzeugen lassen. Ein Nachversuch 1994 ergab allerdings Citrin neben rauchigem Amethyst, der natürlichem Ametrin kaum ähnelt.
Seit 1994 wird in Russland synthetischer Ametrin hydrothermal gezüchtet. Er lässt sich im Labor an Zwillingsbildung, Farbzonierung, erhöhten Gehalten an Kalium, Mangan, Eisen und Zink sowie am Infrarotspektrum erkennen.
Quellen
- Vasconcelos, Wenk, Rossman: The Anahí Ametrine Mine, Bolivia, Gems & Gemology 1994
- GIA: Ametrine, Beschreibung und Geschichte
- Balitsky et al.: Russian Synthetic Ametrine, Gems & Gemology 1999
- CIBJO Retailers’ Reference Guide, Gemstones (2021)
- Handbook of Mineralogy: Quarz (PDF, Mineralogical Society of America)