Hämatit
Hämatit sieht stahlgrau bis schwarz aus, hinterlässt auf rauem Porzellan aber einen blutroten Strich. Dieser Widerspruch zwischen Aussehen und Strichfarbe macht ihn zum Musterbeispiel dafür, warum der Strichtest in der Mineralbestimmung so viel taugt.
Der rote Strich
Der Name kommt vom griechischen haima für Blut, und genau darauf zielt das wichtigste Bestimmungsmerkmal. Zieht man ein Stück Hämatit über unglasiertes Porzellan, bleibt ein kirschroter bis blutroter Strich zurück, auch wenn das Mineral selbst metallisch grau glänzt.
Für den Test genügt die unglasierte Rückseite einer Kachel oder Tasse. Er funktioniert nur bei Mineralen, die weicher sind als das Porzellan, also bis etwa Mohshärte 6. Bei Hämatit passt das gerade noch.
Hämatit oder Magnetit
Beide sind dunkle, metallisch glänzende Eisenminerale mit fast gleicher Dichte. Zwei Tests trennen sie zuverlässig.
- Strichfarbe unterscheidet sicher
- kirschrot bis blutrot
- schwarz
- Magnetismus unterscheidet sicher
- nicht oder kaum magnetisch
- stark magnetisch, zieht den Kompass an
- Kristallform
- tafelig, nierig-traubig, rosettenförmig
- Oktaeder, also Doppelpyramide
- Mohshärte
- 5 bis 6
- 5,5 bis 6,5
- Dichte
- 5,20 bis 5,30 g/cm³
- 5,10 bis 5,20 g/cm³
- Kristallsystem
- trigonal
- kubisch
Ein Magnet und eine unglasierte Kachel genügen. Bleibt das Stück am Magneten hängen und der Strich ist schwarz, ist es Magnetit. Roter Strich ohne nennenswerte Magnetwirkung heißt Hämatit.
Erscheinungsformen
Kaum ein Mineral tritt in so verschiedenen Gestalten auf, dass man es für mehrere halten könnte.
- Roter Glaskopf: nierig-traubige Massen mit glänzender Oberfläche, im Anschnitt fein radialstrahlig aufgebaut.
- Eisenrose: dünne tafelige Kristalle, die rosettenförmig zusammengewachsen sind. Klassisch aus alpinen Klüften.
- Spiegeleisen: grobblättrige Aggregate mit spiegelndem Metallglanz.
- Roteisenstein und Rötel: derbe bis erdige Massen, dann matt und deutlich rotbraun. Rötel diente schon in der Steinzeit als Farbpigment.
Die erdigen Varietäten zeigen die rote Farbe direkt, die kompakten erst im Strich. Hämatit ist auch der Stoff, der Rotsandstein und viele rote Böden färbt.
Bedeutung als Eisenerz
Mit rund 70 Prozent Eisenanteil ist Hämatit das wichtigste Eisenerz der Welt. Die größten Lagerstätten sind gebänderte Eisenerzformationen, die vor etwa 2,5 bis 1,8 Milliarden Jahren entstanden, als der Sauerstoffgehalt der Ozeane stieg und gelöstes Eisen ausfiel.
Daneben nutzt man Hämatit als Pigment. Die Farbtöne von Englischrot bis Caput mortuum gehen auf feingemahlenes Eisenoxid zurück.
Das Kapitel zu deutschen Fundorten folgt, sobald die Fundort-Recherche eingearbeitet ist.
Quellen
- Handbook of Mineralogy: Hematite (Mineralogical Society of America)
- RRUFF-Datenbank: Hematite, Raman- und Röntgendaten (CC-BY 4.0)
- IMA-CNMNC: Aktuelle Liste anerkannter Minerale
Fachlich zuletzt geprüft am 01.08.2026.


