Paraíba-Turmalin
Paraíba-Turmalin ist ein Elbait mit Kupfer, das ihm ein fast leuchtendes Türkis- bis Neonblau gibt. Entdeckt wurde er 1989 in einer alten Mine im brasilianischen Bundesstaat Paraíba. Heute darf er auch dann so heißen, wenn er aus Nigeria oder Mosambik stammt.
Kupfer macht das Blau
Chemisch ist Paraíba-Turmalin ein Elbait, derselbe Turmalinwie der rote Rubellit. Der Unterschied liegt in einer Beimengung, die im Turmalin sonst kaum vorkommt: Kupfer. Gems & Gemology maß 1990 bis fast zwei Gewichtsprozent. Für die typische Farbe braucht es mindestens einige hundert ppm Kupfer, Mangan verschiebt sie Richtung Violett und Rosa.
Nicht jeder blaue Turmalin ist Paraíba. Der blaue Indigolith etwa verdankt seine Farbe dem Eisen und hat mit Kupfer nichts zu tun.
Paraíba heißt nicht aus Paraíba
Das ist praktisch unvermeidlich, denn brasilianische, nigerianische und mosambikanische Steine lassen sich mit normalen gemmologischen Mitteln nicht unterscheiden, nur mit Spurenelementanalyse per Laser-Massenspektrometrie.
Fast immer erhitzt
Laut LMHC wird Paraíba-Turmalin häufig erhitzt, und das ist teils nicht nachweisbar. Die Hitze baut die violette Farbkomponente des Mangans ab, aus Purpur wird grünliches oder tiefes Blau. Bei Material aus Mosambik werden fast alle Farben außer Grün und Gelbgrün erhitzt.
Kerzenlicht und Handwerkzeug
Heitor Barbosa suchte seit Anfang der 1980er Jahre in einer alten Pegmatitmine bei São José da Batalha in Paraíba nach etwas Besonderem. 1989 fand er den kupferhaltigen Turmalin. In zwei Jahren förderte er mit Handwerkzeug und bei Kerzenlicht 10 bis 15 Kilogramm. Barbosa starb im September 2023 mit 90 Jahren.
Fundorte und Imitationen
Nach der Mina da Batalha in Paraíba kamen Vorkommen im benachbarten Rio Grande do Norte dazu. Anfang der 2000er Jahre folgte Nigeria, 2001 Mosambik mit Mavuco im Distrikt Alto Ligonha. Dort wurde das Kupfer erst 2003 erkannt, verkauft wird das Material mit Herkunftsangabe seit 2005. In Brasilien liegt es primär im Pegmatit, in Nigeria und Mosambik in Schwemmlagerstätten.
Synthetischen Turmalin gibt es nicht, wohl aber Imitationen. Das GIA beschrieb 2020 Glas mit Kupferplättchen, als Rohkristall zurechtgeschliffen, erkennbar an Lichtbrechung 1,50 und Dichte 2,43.
Quellen
- Fritsch et al.: Gem-Quality Cuprian-Elbaite Tourmalines from Brazil, Gems & Gemology 1990
- Gems & Gemology 2019: Paraíba Tourmaline, Geographic Origin Determination
- LMHC Information Sheet 6 (2023): Paraiba Tourmaline
- Laurs et al.: Copper-Bearing Tourmaline from Mozambique, Gems & Gemology 2008
- Gems & Gemology 2023: In Memoriam Heitor Barbosa
- CIBJO Retailers’ Reference Guide, Gemstones (2021)
- Handbook of Mineralogy: Elbait (PDF, Mineralogical Society of America)