Smaragd
Smaragd ist grüner Beryll. Seine Farbe stammt von Chrom, Vanadium oder beidem. Fast jeder Smaragd hat Risse und Einschlüsse, und fast jeder ist deshalb mit Öl oder Harz behandelt, eine Praxis, die schon der römische Gelehrte Plinius beschrieb.
Chrom oder Vanadium
Smaragd ist eine Farbvarietät von Beryll, derselben Mineralart wie der blaue Aquamarin. Ob ein grüner Beryll Smaragd heißen darf, entscheidet die Farbursache. Klassisch galt nur Chrom. Seit langem wird aber auch Beryll gehandelt, dessen Grün von Vanadium stammt, und darüber wurde jahrzehntelang gestritten.
Der Garten im Stein
Kaum ein Smaragd ist mit bloßem Auge rein. Risse, Flüssigkeitseinschlüsse und kleine Kristalle gelten als normal und haben einen eigenen Namen: jardin, französisch für Garten. Kolumbianische Smaragde zeigen oft einen typischen Dreiphaseneinschluss, einen winzigen Hohlraum mit Flüssigkeit, einer Gasblase und einem Steinsalzkristall.
Eine Kuriosität aus Kolumbien ist der Trapiche-Smaragd. In ihm teilen sechs dunkle Speichen aus Albit oder kohligem Schiefer den Kristall in sechs Felder. Der Name kommt von den Rädern der Zuckerrohrmühlen, an die das Muster erinnert.
Geölt, gefüllt, behandelt
Nach einer Studie in Gems & Gemology sind rund 90 Prozent der Smaragde, die Labore sehen, reinheitsbehandelt. Öle, Harze oder Kunststoffe füllen Risse, die bis an die Oberfläche reichen, und machen sie weniger sichtbar. Die Laborvereinigung LMHC stuft diese Füllung in drei Stufen ein. Würde ein Stein ohne das Harz zerfallen, heißt er „Smaragd mit Harz (hergestelltes Produkt)“.
Für die Pflege folgt daraus: kein Ultraschallbad, keine Hitze und keine Lösungsmittel. Die Füllung kann austreten oder mit der Zeit trüb werden.
Synthesen aus Göttingen
Die ersten facettierbaren synthetischen Smaragde stellte Mitte der 1920er Jahre der Göttinger Mineraloge Richard Nacken her, im Flux-Verfahren aus einer Salzschmelze. Kommerziell wurden Flux-Synthesen Ende der 1930er Jahre, hydrothermal gezüchtete ab 1960. Seit den späten 1980er Jahren ist Russland ein großer Hersteller.
Synthesen verraten sich unter dem Mikroskop durch eingeschlossene Phenakitkristalle und wirbelige Wachstumsstrukturen. Natürliche Smaragde zeigen dagegen die genannten Mehrphaseneinschlüsse.
Geschichte und Fundorte
Der Name geht über lateinisch smaragdus auf das griechische smaragdos zurück. Ägypten gilt als älteste Quelle, wie alt die Minen sind, ist aber umstritten. Im 16. Jahrhundert erbeuteten die Spanier kolumbianische Smaragde, die dort längst genutzt wurden. Die ältesten bekannten Smaragde sind rund 2,97 Milliarden Jahre alt und stammen aus Südafrika.
Die berühmtesten Vorkommen liegen in Kolumbien, in den Bezirken Muzo, Chivor und Coscuez. Weitere Vorkommen liegen in Brasilien, Sambia, Simbabwe, Äthiopien, Madagaskar, Pakistan und Afghanistan. In Europa gab es historische Vorkommen in Österreich.
Quellen
- GIA: Emerald, Beschreibung und Geschichte
- CIBJO Retailers’ Reference Guide, Gemstones (2021)
- Handbook of Mineralogy: Beryll (PDF, Mineralogical Society of America)
- LMHC Information Sheet 5 (2025): Emerald
- Johnson et al.: Identification of Emerald Filling Substances, Gems & Gemology 1999
- Gems & Gemology 2016: Synthetic Emeralds by Richard Nacken in the 1920s
- GIA: Synthetische Edelsteine
