Aquamarin

Aquamarin ist die blaue bis grünlich blaue Varietät des Berylls und damit mineralogisch dasselbe wie Smaragd, nur mit Eisen statt Chrom als Farbgeber. Der Name kommt aus dem Lateinischen: aqua marina, Meerwasser.

Aquamarin: ein langes, klares, hellblaues sechsseitiges Prisma mit flacher Endfläche, daneben ein facettierter ovaler Stein
Das lange sechsseitige Prisma mit flacher Endfläche ist die typische Wuchsform von Beryll, die feinen Längsriefen verlaufen parallel zur Prismenachse. Mit KI erzeugte Illustration, kein Foto eines bestimmten Fundstücks.

Woher das Blau kommt

Reiner Beryll ist farblos. Beim Aquamarin sitzt Eisen im Kristallgitter, und zwar in zwei Oxidationsstufen. Springt ein Elektron zwischen zweiwertigem und dreiwertigem Eisen hin und her, wird rotes Licht verschluckt, und der Stein erscheint blau. Dreiwertiges Eisen allein färbt gelb. Kommen beide Effekte zusammen, entsteht das grünliche Blau, das viele Rohsteine zeigen.

Aquamarin ist deutlich dichroitisch: Je nach Blickrichtung wirkt derselbe Kristall fast farblos oder kräftig blau. Schleifer richten den Stein deshalb so aus, dass man von oben in die blaue Richtung schaut.

Die meisten Steine im Handel sind mit bloßem Auge rein. Typische Einschlüsse sind lange, hohle oder flüssigkeitsgefüllte Röhrchen, die parallel zur Längsachse des Kristalls liegen.

Fast immer erhitzt

Nach Angaben des GIA ist der größte Teil der Aquamarine auf dem Markt erhitzt. Die Wärmebehandlung entfernt den Gelbanteil des dreiwertigen Eisens, und aus einem grünlichen Stein wird ein reineres Blau. Das Ergebnis ist dauerhaft stabil.

Aquamarin oder Blautopas

Blauer Topas sieht einem Aquamarin zum Verwechseln ähnlich, ist aber weit häufiger und billiger. Er entsteht fast immer, indem farbloser Topas bestrahlt wird. Mit einfachen Mitteln unterscheiden lassen sich die beiden kaum, im Labor dagegen sofort.

Aquamarin im VergleichAquamarinBe3Al2[Si6O18]
BlautopasAl2[F2|SiO4]
Dichte unterscheidet sicher
2,72 g/cm³
3,49–3,57 g/cm³
Lichtbrechung unterscheidet sicher
1,577–1,583
1,606–1,644
Kristallform
sechsseitiges Prisma
rhombisches Prisma, oft mit Spaltflächen
Mohshärte
7,5 bis 8
8
Farbursache
Eisen, oft zusätzlich erhitzt
meist künstliche Bestrahlung

Am sichersten trennt die Dichte: In einer Schwereflüssigkeit von 3,1 g/cm³ geht Topas unter, Aquamarin schwimmt. Das Refraktometer zeigt den Unterschied ebenso eindeutig.

Maxixe: das Blau, das verblasst

1917 kamen aus der Maxixe-Mine in Minas Gerais Berylle von einem tiefen, fast kornblumenartigen Blau, wie es kein gewöhnlicher Aquamarin zeigt. Die Farbe stammte von natürlicher Strahlung im Gestein und hatte einen Haken: Sie verblasst im Licht, teils schon während der Bearbeitung.

Heute wird derselbe Effekt künstlich durch Bestrahlung erzeugt. Solche Steine heißen Maxixe-Typ und bleichen ebenfalls aus. Laut Gems & Gemology lassen sie sich an einem ungewöhnlichen Dichroismus und an ihrer eisenarmen Zusammensetzung erkennen, denn ihr Blau kommt nicht vom Eisen, sondern von Farbzentren.

Daneben gibt es hydrothermal gezüchteten synthetischen Aquamarin aus Russland. Er verrät sich unter dem Mikroskop durch zickzackförmige Wachstumsstrukturen. Als billige Imitationen dienen Glas und synthetischer Spinell.

Die größten Aquamarine

Beryll bildet in Pegmatiten gelegentlich riesige Kristalle. Der größte bekannte Aquamarin-Kristall, genannt Papamel, wurde 1910 in Marambaia in Brasilien gefunden und wog 110,5 Kilogramm.

Der größte geschliffene Aquamarin ist der Dom Pedro im Smithsonian National Museum of Natural History in Washington: 10.363 Karat, also gut zwei Kilogramm, und rund 36 Zentimeter hoch. Das Rohstück, fast 60 Zentimeter lang und knapp 27 Kilogramm schwer, stammt aus einem Pegmatit bei Pedra Azul in Minas Gerais und wurde Ende der 1980er Jahre gefunden. Geschliffen hat ihn der deutsche Edelsteinkünstler Bernd Munsteiner, seit Dezember 2012 ist er ausgestellt.

Fundorte

Aquamarin wächst in Pegmatiten, grobkörnigen Restschmelzen granitischer Magmen, in denen sich Beryllium anreichert. Wichtigster Lieferant ist Brasilien, vor allem Minas Gerais mit Revieren um Teófilo Otoni und Governador Valadares. Weitere Vorkommen liegen in Madagaskar, Mosambik, Nigeria, Sambia und Kenia sowie im Karakorum in Pakistan und im russischen Ural.

Aquamarin ist der Monatsstein für März auf der amerikanischen Liste. Woher solche Zuordnungen kommen, steht unter Sternzeichen- und Monatssteine.

Quellen

  1. GIA: Aquamarine, Kenndaten und Qualitätsmerkmale
  2. Handbook of Mineralogy: Beryll (PDF, Mineralogical Society of America)
  3. Gems & Gemology 2020: Color Characteristics of Blue to Yellow Beryl
  4. Adamo et al.: Aquamarine, Maxixe-Type Beryl, and Hydrothermal Synthetic Blue Beryl, Gems & Gemology 2008
  5. Smithsonian Torch 2012: World’s largest cut gem aquamarine is unveiled
  6. Gems & Gemology 2023: Exceptional gemstone acquisitions (Papamel-Kristall)