Spinell
Spinell ist ein Magnesium-Aluminium-Oxid, das oft zusammen mit Rubin vorkommt und in Rot fast genauso aussieht. Jahrhundertelang hat man ihn deshalb für Rubin gehalten. Einige der berühmtesten „Rubine“ der Welt sind in Wahrheit Spinelle.
Der Rubin, der keiner ist
In der Imperial State Crown, der britischen Staatskrone, sitzt vorn ein roter Stein von etwa 170 Karat, der Black Prince’s Ruby. Nach der Überlieferung erhielt ihn Edward, der Schwarze Prinz, 1367 nach der Schlacht von Nájera von Pedro von Kastilien, und Heinrich V. soll ihn 1415 bei Agincourt am Helm getragen haben. Der Royal Collection Trust weist allerdings darauf hin, dass sich die Identität des Steins über diese Zeit kaum beweisen lässt. Sicher ist dagegen: Es ist ein Spinell.
Dasselbe gilt für den Timur Ruby, einen Spinell von über 350 Karat mit mehreren persischen Inschriften, der heute in einer Halskette der britischen Krone sitzt. Laut GIA war es gerade die Unterscheidung von Spinell und Rubin, mit der die Gemmologie als Wissenschaft begann.
Spinell oder Rubin
Beide sind durch Chrom rot, beide stammen oft aus denselben Kiesen in Myanmar oder Sri Lanka. Physikalisch unterscheiden sie sich aber grundlegend, denn Spinell ist kubisch und damit optisch einfach brechend.
- Lichtbrechung unterscheidet sicher
- einfach brechend, um 1,718
- doppelbrechend, 1,762–1,770
- Pleochroismus unterscheidet sicher
- keiner
- vorhanden
- Kristallform
- Oktaeder
- tafelige oder tonnenförmige Sechsseiter
- Dichte
- 3,60 g/cm³
- 4,00 g/cm³
- Mohshärte
- 8
- 9
Ein Refraktometer zeigt bei Spinell einen einzigen Wert, bei Rubin zwei. Im Rohzustand verrät schon die Form den Spinell: Rubin bildet nie Oktaeder.
Farben
Rot und Pink kommen vom Chrom, Orange und Violett von Eisen zusammen mit Chrom. Eisen allein färbt violett bis blau, ein lebhaftes Blau entsteht durch Spuren von Kobalt. Behandelt wird Spinell kaum: Erhitzen verbessert die Farbe meist nicht, sondern dunkelt sie eher nach.
Synthetischer Spinell
Synthetischer Spinell ist so verbreitet, dass viele Käufer den Namen nur als Kunststein kennen. Er entstand Anfang des 20. Jahrhunderts zufällig, als man eigentlich Saphir züchten wollte, und wird seitdem als preiswerte Imitation vieler anderer Steine verwendet, vom Aquamarin bis zum Peridot.
Im Labor lassen sich natürliche und synthetische Spinelle sicher trennen. Synthesen wachsen bei hoher Temperatur und haben ein ungeordnetes Kristallgitter, das im Raman-Spektrum breite Linien zeigt. Verneuil-Spinell enthält zudem mehr Aluminium als die Formel vorsieht und bricht das Licht etwas stärker. Natürliche Spinelle führen Spuren von Lithium, Beryllium, Zink und Gallium, die Synthesen fehlen.
Name und Fundorte
Der Name kommt wohl vom lateinischen spinella, kleiner Dorn, nach den spitzen Oktaedern. Die klassischen „Balas-Rubine“ des Mittelalters stammten aus Badachschan im Pamir, heute Tadschikistan und Afghanistan. Wichtige Vorkommen liegen außerdem in Myanmar (Mogok), Sri Lanka, Tansania (Mahenge), Vietnam und Madagaskar.
Auch in Deutschland gibt es Spinell, in der Eifel und bei Bodenmais im Bayerischen Wald, allerdings nicht in Schmuckqualität.
Quellen
- GIA: Spinel, Beschreibung und Geschichte
- CIBJO Retailers’ Reference Guide, Gemstones (2021)
- Handbook of Mineralogy: Spinell (PDF, Mineralogical Society of America)
- GIA: Distinguishing Heated Spinels from Unheated Natural Spinels
- Royal Collection Trust: The Imperial State Crown
- GIA: Synthetische Edelsteine


