Rubin

Rubin ist roter Korund, also Aluminiumoxid mit einer Spur Chrom. Dieselbe Spur macht ihn nicht nur rot, sondern lässt ihn unter UV-Licht und sogar im Tageslicht rot fluoreszieren. Alle übrigen Farben des Korunds heißen Saphir.

Rubin: ein flacher, tafeliger sechsseitiger Kristall mit dreieckigen Wachstumsmarken, daneben ein facettierter ovaler Stein
Rubin wächst gern flach und tafelig, auf der Basisfläche zeigen sich oft dreieckige Wachstumsmarken, ein Abbild der trigonalen Symmetrie. Mit KI erzeugte Illustration, kein Foto eines bestimmten Fundstücks.

Chrom und das rote Leuchten

Chemisch ist Rubin schlichter Korund, also Aluminiumoxid. Ersetzt Chrom einzelne Aluminiumatome, wird der Kristall rot, und zwar umso röter, je mehr Chrom er enthält. Eisen und Titan können den Farbton ins Bräunliche oder Violette verschieben.

Chrom bewirkt noch etwas: Rubin fluoresziert rot, schon unter dem UV-Anteil des Tageslichts. Das verstärkt die Farbe zusätzlich. Rubine aus Marmor sind eisenarm und leuchten besonders stark, Rubine aus Basalt enthalten mehr Eisen, das die Fluoreszenz dämpft, und wirken dunkler. Dieselbe Fluoreszenz nutzte 1960 der erste Laser der Welt, sein lichtverstärkendes Element war ein Rubinkristall.

Fast immer erhitzt

Laut Gems & Gemology ist der weit überwiegende Teil der gehandelten Rubine und Saphire erhitzt. Die Hitze löst feine Rutilnadeln im Kristall auf, die den Stein trüben, und entfernt violette oder bräunliche Anteile der Farbe. Diese klassische Wärmebehandlung ist stabil und im Handel üblich.

Bleiglasgefüllter Rubin

Eine ganz andere Sache ist der bleiglasgefüllte Rubin, der 2004 auf dem Markt auftauchte. Stark rissiges, eigentlich kaum schleifwürdiges Material wird mit bleihaltigem Glas getränkt, das die Risse füllt und den Stein klar erscheinen lässt. Unter der Lupe verraten ihn farbige Lichtblitze in den Rissen und eingeschlossene Gasblasen im Glas.

Rubin oder Spinell

Roter Spinell ist ebenfalls durch Chrom gefärbt und kommt oft aus denselben Lagerstätten. Deshalb galten fast alle großen historischen „Rubine“ lange als Rubin, bis sich herausstellte, dass es Spinelle sind.

Rubin im VergleichRubinAl2O3
Spinell im VergleichSpinellMgAl2O4
Lichtbrechung unterscheidet sicher
doppelbrechend, 1,762–1,770
einfach brechend, um 1,718
Pleochroismus unterscheidet sicher
vorhanden, je nach Richtung anderer Rotton
keiner
Kristallsystem
trigonal
kubisch
Dichte
4,00 g/cm³
3,60 g/cm³
Mohshärte
9
8
Farbursache
Chrom
Chrom

Mit dem Refraktometer ist es eindeutig: Rubin zeigt zwei Werte, Spinell nur einen. Ohne Gerät hilft das Dichroskop, Spinell wechselt beim Drehen nie den Farbton.

Der erste Laborstein

Rubin war der erste Edelstein, den man im Labor herstellen konnte. 1902 stellte Auguste Verneuil sein Flammenschmelzverfahren vor, bei dem Aluminiumoxidpulver mit etwas Chrom durch eine Knallgasflamme rieselt und zu einem Kristall erstarrt. Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden so schon über fünf Millionen Karat im Jahr. Heute kommen Flux-Zucht und das Ziehverfahren nach Czochralski hinzu.

Natürliche Rubine verraten sich unter dem Mikroskop durch Einschlüsse, die im Labor nicht entstehen: feine Rutilnadeln, die sich im 60-Grad-Winkel kreuzen, kleine Zirkonkristalle mit Spannungsrissen drumherum und fingerabdruckartige Flüssigkeitsfahnen.

Name und Fundorte

Der Name kommt vom lateinischen ruber, rot. In Sanskrit heißt Rubin ratnaraj, König der Edelsteine. Schon im 11. Jahrhundert unterschied der persische Gelehrte al-Biruni Rubin von Spinell.

Die klassische Quelle ist der Bezirk Mogok in Myanmar, wo seit mindestens dem 6. Jahrhundert Rubin gewonnen wird. Seit dem Fund bei Montepuez im Jahr 2009 ist Mosambik der führende Produzent. Weitere Vorkommen liegen unter anderem in Thailand, Sri Lanka, Kambodscha, Tansania, Madagaskar und Afghanistan.

Quellen

  1. GIA: Ruby, Beschreibung und Geschichte
  2. CIBJO Retailers’ Reference Guide, Gemstones (2021)
  3. Handbook of Mineralogy: Korund (PDF, Mineralogical Society of America)
  4. Emmett et al.: Beryllium Diffusion of Ruby and Sapphire, Gems & Gemology 2003
  5. McClure et al.: Lead Glass-Filled Rubies, Gems & Gemology 2006
  6. LMHC Information Sheet 3 (2025): Ruby
  7. GIA: Synthetische Edelsteine