Wenn Steine gefährlich werden

Ein polierter Stein in der Hosentasche ist fast immer harmlos. Derselbe Stein im Trinkwasser, unter der Schleifscheibe oder als Staub ist es bei einigen Mineralen ausdrücklich nicht. Genau diese Unterscheidung fehlt in der Ratgeberliteratur fast vollständig.

Auf den Zustand kommt es an

Ob ein Mineral gefährlich ist, hängt weniger vom Mineral ab als davon, in welcher Form es einem begegnet. Drei Zustände sind zu unterscheiden.

Die Übersicht

MineralPoliertIm WasserAls Staub
Malachit
Cu₂(CO₃)(OH)₂
unbedenklich nein, Kupfer schädlich
Azurit
Cu₃(CO₃)₂(OH)₂
unbedenklich nein, Kupfer schädlich
Cinnabarit, Zinnober
HgS
unbedenklich nein, Quecksilber sehr giftig
Realgar
As₄S₄
unbedenklich nein, Arsen giftig, dunkel lagern
Auripigment
As₂S₃
unbedenklich nein, Arsen giftig, krebserzeugend
Serpentin, faserig
Chrysotil
unbedenklich unbedenklich Asbest, krebserzeugend
Galenit, Bleiglanz
PbS
unbedenklich kaum löslich Bleistaub meiden

Die drei Spalten stehen für die drei Zustände von oben. „Im Wasser“ meint das direkte Einlegen in Trinkwasser, „als Staub“ das Sägen, Bohren und Schleifen. Was bei den einzelnen Mineralen konkret passiert, steht in den folgenden Abschnitten.

Edelsteinwasser

Das direkte Einlegen von Rohsteinen in Trinkwasser ist eine Praxis, die sich unter anderem auf Hildegard-Ratgeber beruft. Bei kupfer- und arsenhaltigen Mineralen ist sie als gesundheitsgefährlich einzustufen, weil diese Verbindungen zumindest in geringem Maß wasserlöslich sind und toxische Ionen abgeben.

Betroffen sind vor allem Malachit, Azurit, Realgar und Auripigment. Bei Zinnober kommt hinzu, dass Stücke elementares Quecksilber als Verunreinigung enthalten können.

Ein zweites Problem betrifft alle Rohsteine unabhängig von der Chemie: Sie sind porös und rau, tragen Reste von Bearbeitung, Staub und Handhabung, und im Wasser wächst darauf zuverlässig etwas. Aus hygienischer Sicht ist ein Rohstein im Wasserglas ein guter Nährboden und sonst nichts.

Für wen das besonders gilt: Kinder, Schwangere und Menschen mit Vorerkrankungen von Leber oder Nieren. Bei Kindern kommt hinzu, dass kleine Steine verschluckt werden können.

Asbest im Serpentin

Serpentin ist eine Mineralgruppe, keine einzelne Art. Einige ihrer Glieder, allen voran Chrysotil, wachsen faserig, und diese Fasern sind Asbest im technischen und im medizinischen Sinn. Im Handel laufen solche Stücke unter Namen wie Silberauge.

Entscheidend ist auch hier der Zustand. Untersuchungen des Gewerbeaufsichtsamts Regensburg an polierten Trommelsteinen und Cabochons ergaben keine freigesetzten Fasern; fertige Schmuckstücke gelten danach als unbedenklich.

Was Galenit nicht ist

Bleiglanz steht auf vielen Warnlisten, und das ist bei genauerem Hinsehen ein Beispiel für eine zu grobe Regel. Blei ist giftig, das ist unstrittig. Bleisulfid ist es in dieser Form aber praktisch nicht: Die Verbindung ist extrem schwer wasserlöslich, und an der Oberfläche bildet sich eine Patina, die weiter abschirmt.

Die historischen Bleivergiftungen im Erzbergbau entstanden durch etwas anderes: durch bleihaltigen Staub beim Abbau und durch Hüttenrauch beim Rösten des Erzes. Beides sind Verarbeitungsschritte, nicht der Kontakt mit dem Handstück.

Das ist keine Entwarnung für Sorglosigkeit, sondern ein Argument für Genauigkeit. Wer alles pauschal für giftig erklärt, wird nicht mehr ernst genommen, wenn es einmal wirklich wichtig ist.

Praktische Regeln

Quellen

  1. Mineralienatlas: Giftige Minerale und Umgang mit Sammlungsstücken
  2. Gewerbeaufsichtsamt Regensburg: Untersuchung zur Asbestfreisetzung bei polierten Serpentin-Schmucksteinen
  3. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Asbest, Gefährdungen und Schutzmaßnahmen
  4. Verbraucherzentrale: Edelsteinwasser

Fachlich zuletzt geprüft am 02.08.2026.