Bernstein erkennen

Bernstein ist kein Mineral, sondern Harz, das vor rund 40 Millionen Jahren aus Bäumen geflossen und seither ausgehärtet ist. Genau daraus folgen die Tests, mit denen man ihn von Kopal, Plastik und Glas unterscheidet. Einer davon geht am Strand mit nichts als einem Becher Wasser und einer Handvoll Salz.

Drei ähnlich aussehende gelbliche Stücke nebeneinander: echter Bernstein mit trüber Verwitterungsrinde, ein glasigeres Stück Kopal und ein zu gleichmäßig gefärbtes Stück Plastik
Links Bernstein mit matter Rinde und leichter Trübung, in der Mitte Kopal, glasiger und ohne Rinde, rechts Kunststoff, zu gleichmäßig in Farbe und Glanz. Mit KI erzeugte Illustration, kein Foto eines bestimmten Fundstücks.

Der Salzwassertest

Bernstein hat eine Dichte von etwa 1,05 bis 1,09 Gramm je Kubikzentimeter, liegt also knapp über der von Wasser. In gesättigter Salzlösung schwimmt er, in reinem Wasser sinkt er. Für den Test lösen Sie rund fünf Esslöffel Salz in einem halben Liter lauwarmem Wasser auf.

Bernstein schwimmt oder schwebt. Glas, Stein und die meisten Kunststoffe sinken. Kopal schwimmt ebenfalls, den trennt erst der nächste Test ab.

Vier weitere Prüfungen

Reiben. Reiben Sie das Stück kräftig an einem Wolltuch. Bernstein lädt sich elektrostatisch auf und zieht dann Papierschnipsel oder Haare an. Der Effekt ist so charakteristisch, dass die Elektrizität nach ihm benannt ist: Das griechische Wort für Bernstein lautet elektron.

Ritzen. Mit einer Nadel lässt sich Bernstein leicht ritzen, er ist mit einer Härte um 2 bis 2,5 weicher als ein Fingernagel es aushält. Dabei bröselt er in kleine Krümel. Kopal gibt eher weiche Späne, Kunststoff schält sich in zusammenhängenden Locken ab.

UV-Licht. Unter langwelligem UV schimmert Bernstein bläulich bis milchig, Kopal schwächer, Kunststoff meist gar nicht. Wichtig ist die Wellenlänge, die verbreiteten Lampen mit 395 Nanometern zeigen den Effekt kaum.

Die heiße Nadel. Der sicherste, aber zerstörende Test: Eine glühende Nadelspitze auf eine unauffällige Stelle gesetzt, riecht bei Bernstein harzig nach Weihrauch, bei Kopal süßlich, bei Kunststoff stechend chemisch. Er hinterlässt immer eine kleine Narbe, deshalb nur im Zweifel und nur an der Rückseite.

Die Verwechslungskandidaten

Material Salzwasser Woran es sonst erkennbar ist
Bernstein schwimmt matte Verwitterungsrinde, warme Trübung, lädt sich beim Reiben auf
Kopal schwimmt jünger und weicher, klebrig glänzende Oberfläche, wird von Aceton binnen Sekunden klebrig
Kunststoff sinkt meist zu gleichmäßige Farbe, oft eine feine Gussnaht, riecht beim Erhitzen chemisch
Glas sinkt deutlich schwerer, kalt in der Hand, mit der Nadel nicht ritzbar
Gelber Calcit sinkt Stein, nicht Harz: hart, spröde, braust mit Säure auf

Warum Bernstein kein Mineral ist

Ein Mineral ist anorganisch entstanden und hat einen geordneten Kristallbau. Bernstein erfüllt beides nicht: Er ist organischen Ursprungs und amorph, seine Moleküle sind nicht regelmäßig angeordnet. Fachlich zählt er deshalb zu den Mineraloiden, in einer Reihe mit Opal und Obsidian.

Für das Bestimmen im Gelände ändert das nichts, für das Verständnis schon: Bernstein hat keine Spaltbarkeit, keine Kristallform und keine feste chemische Formel, sondern ein Gemisch aus Harzsäuren und Terpenen. Was in Steckbriefen üblicherweise steht, gibt es hier also gar nicht.

Vorsicht: weißer Phosphor

An der Ostseeküste, besonders zwischen Usedom und dem Fischland-Darß, liegen bis heute Reste von Brandmunition aus dem Zweiten Weltkrieg im Sediment. Weißer Phosphor sieht Bernstein zum Verwechseln ähnlich: gelblich, wachsig, durchscheinend.

Solange er nass ist, passiert nichts. Trocknet er, entzündet er sich ab etwa 34 Grad von selbst, also bereits in einer warmen Hosentasche. Die Verbrennungen sind schwer, weil sich die Substanz nicht einfach abstreifen lässt und in die Haut brennt.

Ein untrügliches Erkennungsmerkmal gibt es leider nicht, deshalb steht die Warnung hier so deutlich. Wer den Salzwassertest direkt am Strand macht und den Fund bis dahin feucht hält, ist auf der sicheren Seite.

Quellen

  1. Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie: Munitionsbelastung in Nord- und Ostsee
  2. Deutsches Bernsteinmuseum Ribnitz-Damgarten, Materialkunde
  3. Mineralienatlas: Bernstein