Marmor

Marmor ist umkristallisierter Kalkstein. Unter Druck und Hitze wachsen die feinen Calcitkörner zu größeren, gleichmäßigen Kristallen zusammen. Dabei verschwinden Fossilien und Schichtung, übrig bleibt das typische zuckerkörnige Gefüge.

Marmor: weißes Handstück mit zuckerkörniger Bruchfläche und feinen grauen Adern
Die Bruchfläche wirkt zuckerkörnig, weil die Calcitkörner beim Umkristallisieren gleichmäßig gewachsen sind und das Licht in alle Richtungen streuen. Mit KI erzeugte Illustration, kein Foto eines bestimmten Fundstücks.

Woran man Marmor erkennt

Drei Merkmale zusammen genügen. Marmor ist mit Mohshärte 3 weich genug, um sich mit einer Kupfermünze ritzen zu lassen. Er braust mit verdünnter Säure auf, weil er aus Calcit besteht. Und seine Bruchfläche glitzert zuckerkörnig, weil die einzelnen Calcitkörner das Licht reflektieren.

Wie sich die Härte einordnet, steht unter Mohshärte. Marmor liegt dort auf derselben Stufe wie Calcit selbst, was kein Zufall ist: Er besteht praktisch nur daraus.

Marmor oder Kalkstein

Beide bestehen aus Calcit und reagieren gleich auf Säure. Der Unterschied liegt allein im Gefüge.

MarmorMetamorph
KalksteinSedimentär
Gefüge unterscheidet sicher
kristallin, zuckerkörnig glitzernd
dicht bis feinkörnig, matt
Fossilien unterscheidet sicher
keine, bei der Umwandlung zerstört
häufig erhalten und sichtbar
Schichtung
keine
oft deutlich erkennbar
Reaktion mit Säure
braust auf
braust auf
Mohshärte
3
3
Entstehung
Metamorphose von Kalkstein
Ablagerung von Kalkschlamm

Der Säuretest hilft hier nicht weiter, beide reagieren gleich. Entscheidend ist der Blick auf die Bruchfläche: glitzernde Körner heißt Marmor, matt und dicht heißt Kalkstein. Fossilreste schließen Marmor aus.

Wo dieser Übergang im Gesamtbild steht, ist unter Gesteinskreislauf beschrieben.

Was im Handel Marmor heißt

Im Natursteinhandel gilt als Marmor jedes polierfähige Karbonatgestein. Darunter fallen auch dichte Kalksteine, die geologisch nie eine Metamorphose durchlaufen haben. Der bekannte Solnhofener Plattenkalk wird gelegentlich so bezeichnet, ist aber ein reiner Sedimentkalk mit teils spektakulären Fossilien.

Diese Praxis ist keine Täuschung, sondern eine gewachsene Konvention. Für die Verwendung als Bodenplatte zählt die Polierfähigkeit, nicht die petrologische Einordnung.

Vorkommen und Verwendung

Marmor entsteht überall dort, wo Kalkstein in die Nähe von Magmakörpern gerät oder bei einer Gebirgsbildung in die Tiefe gedrückt wird. Die bekanntesten Vorkommen liegen in Carrara in Italien, in Griechenland und in der Türkei. In Deutschland gibt es Marmor unter anderem im Fichtelgebirge und im Wunsiedler Raum.

Wegen seiner geringen Härte lässt sich Marmor gut bearbeiten, was ihn zum klassischen Bildhauermaterial macht. Aus demselben Grund taugt er schlecht als Küchenarbeitsplatte: Säurehaltige Lebensmittel wie Zitrone oder Essig ätzen die polierte Oberfläche matt, und zwar dauerhaft.

Quellen

  1. Geowiki der LMU München: Gesteinssystematik
  2. Mineralienatlas: Gesteinsdaten
  3. Handbook of Mineralogy: Calcite (Mineralogical Society of America)

Fachlich zuletzt geprüft am 01.08.2026.