Staurolith

Staurolith ist ein eisenhaltiges Aluminiumsilikat, das in Glimmerschiefern wächst. Berühmt ist er für seine Zwillinge: Zwei Kristalle durchdringen sich zu einem Kreuz. Der Name kommt vom griechischen stauros, Kreuz.

Das Kreuz: meistens schief

Staurolith bildet raue, prismatische Kristalle, dunkel rotbraun bis schwarzbraun. Oft wachsen zwei davon so ineinander, dass sie sich durchkreuzen. Das bekannte Bild ist ein rechtwinkliges Kreuz. Laut Handbook of Mineralogy ist das aber die seltenere Form. Häufiger schneiden sich die beiden Kristalle im Winkel von etwa 60 Grad und bilden ein schräges Kreuz, ein X.

Mit einer Härte von 7 bis 7,5 ist Staurolith hart wie Quarz und ritzt Glas ohne Mühe. Das wird bei den Fälschungen wichtig.

Ein Anzeiger für Druck und Hitze

Staurolith wächst in tonreichen Gesteinen, die bei mittlerer Metamorphose zu Glimmerschiefer und Gneis umgewandelt wurden, zusammen mit Almandin-Granat, Kyanit, Sillimanit und Muskovit. Geologen nutzen ihn deshalb als Leitmineral: Wo Staurolith auftritt, herrschten bestimmte Druck- und Temperaturbedingungen, mehr dazu unter Metamorphose und Schiefer.

Geschnitzte Kreuze

Staurolith-Kreuze wurden als Glücksbringer und Andenken verkauft, und die Nachfrage war größer als das Angebot. Deshalb gibt es geschnitzte Fälschungen aus Speckstein oder Talkschiefer, schon in den 1920er Jahren beschrieben. Sie wurden geölt, damit sie dunkel wirken, und bekamen gebohrte Löcher, die herausgewitterte Granate nachahmen sollten.

Feenkreuze und Fundorte

Im Fairy Stone State Park in Virginia erzählt man, Feen hätten über die Kreuzigung geweint, und ihre Tränen seien zu Kreuzen erstarrt. Besucher dürfen dort kleine Mengen für den Eigenbedarf sammeln. Volksnamen wie „Pierre de Croix“ in der Bretagne oder „Basler Taufstein“ zeugen davon, dass der Stein auch in Europa als Kuriosität galt.

Bekannte Fundorte sind die Bretagne, das Tessin mit Pizzo Forno und Alpe Piona, das Zillertal in Tirol, die Halbinsel Kola und Georgia in den USA. In Deutschland tritt Staurolith im Glimmerschiefer der Mömbris-Formation im Spessart auf, etwa am Kalbsbuckel bei Kleinostheim.

Quellen

  1. Handbook of Mineralogy: Staurolith (PDF, Mineralogical Society of America)
  2. Stocklmayer: Staurolite and its role as an ornamental, Australian Gemmologist 28 (2022)
  3. Okrusch, Geyer, Lorenz: Spessart, Sammlung geologischer Führer (Literaturliste)
  4. Virginia State Parks: Fairy Stones