Katzengold erkennen
Wer im Bach oder auf der Halde etwas Goldglänzendes findet, hat fast immer Pyrit in der Hand. Die Unterscheidung ist trotzdem einfach, und man braucht dafür kein Labor: Ein Stück unglasiertes Porzellan genügt, um die Frage in zehn Sekunden zu beantworten.

Der eine Test, der reicht
Ziehen Sie das Stück über die Rückseite einer unglasierten Fliese oder über eine Strichtafel. Was dabei zurückbleibt, ist der Strich, und der ist beim Pyrit grünlich schwarz, bei Gold goldgelb. Das ist kein Näherungswert und keine Geschmacksfrage: Die Strichfarbe ist die Farbe des zerriebenen Minerals, und die ändert sich nicht mit Beleuchtung, Anlauffarben oder Politur.
Die drei Verwechslungskandidaten
Nicht jedes goldglänzende Stück ist Pyrit. Drei Minerale werden regelmäßig für Gold gehalten, und sie sehen untereinander verschieden genug aus, um sie zu trennen.
Pyrit ist der klassische Fall. Messinggelb mit einem Stich ins Grüne, hart, spröde, oft in Würfeln mit auffällig gestreiften Flächen. Der Name Katzengold meint fast immer ihn.
Chalkopyrit, der Kupferkies, ist der zweite Kandidat. Er ist eine Spur goldiger als Pyrit und deutlich weicher, außerdem läuft er bunt an, blau, violett und grün schillernd. Diese Anlauffarben hat Gold nie.
Glimmer, meist Biotit oder ein verwitterter Muskovit, sorgt für die goldenen Flitter im Bachsand. Der Unterschied ist mit einer Nadel sofort geklärt: Glimmerblättchen sind biegsam und lassen sich mit dem Fingernagel ritzen, sie sind das Weichste unter den Kandidaten. Für den hellen Glimmer gibt es sogar ein eigenes Wort, Katzensilber.
Alle Merkmale im Vergleich
Die entscheidende Zahl steht in der letzten Spalte. Gold ist fast viermal so schwer wie Pyrit, und das merkt man einem Stück in der Hand an, lange bevor man es wiegt.
| Merkmal | Pyrit | Chalkopyrit | Gold |
|---|---|---|---|
| Strichfarbe entscheidet | grünlich schwarz |
grünlich schwarz |
goldgelb |
| Mohshärte | 6 bis 6,5 ritzt Fensterglas |
3,5 bis 4 Münze ritzt es nicht |
2,5 bis 3 mit dem Messer ritzbar |
| Dichte in g/cm³ entscheidet | 5,0 schwer |
4,2 schwer |
19,3 extrem schwer |
| Beim Anschlagen | zerspringt spröde | zerspringt spröde | verformt sich, bleibt ganz |
| Form | Würfel und Fünfeckzwölfflächner, Flächen gestreift | derb, seltener kleine Kristalle | unregelmäßig, gerundet, keine ebenen Flächen |
| Anlauffarben | bräunlich | bunt schillernd | keine, Gold bleibt Gold |
| Chemische Formel | FeS₂ | CuFeS₂ | Au |
Vier weitere Prüfungen
Die Härte. Pyrit ritzt Fensterglas mühelos, Gold nicht einmal eine Kupfermünze. Wer einen Satz Prüfstifte hat, ist in Sekunden fertig, aber auch ein Taschenmesser genügt: Es hinterlässt auf Gold eine Spur, auf Pyrit gleitet es ab. Wie die Skala aufgebaut ist, steht unter Mohshärte.
Das Gewicht. Ein daumengroßes Stück Gold wiegt rund vier Mal so viel wie ein gleich großes Stück Pyrit. Das lässt sich ohne Waage feststellen, indem man zwei etwa gleich große Stücke nacheinander in die Hand nimmt. Genauer geht es über die Dichtebestimmung mit einer Küchenwaage und einem Glas Wasser.
Der Hammerschlag. Gold ist ein Metall und verhält sich auch so: Es lässt sich verformen, plattdrücken, biegen. Pyrit ist spröde und zerspringt in eckige Bruchstücke. Ein einziger vorsichtiger Schlag auf ein kleines Bruchstück beantwortet die Frage endgültig, zerstört aber auch die Probe.
Die Form unter der Lupe. Pyrit bildet ebene Flächen, meistens Würfel, oft mit feiner paralleler Streifung darauf. Gold bildet keine ebenen Flächen, sondern gerundete, gewalzte Klumpen, weil es sich im Bachsediment verformt statt zu brechen. Zehnfache Vergrößerung reicht, um das sicher zu sehen.
Woher der Name kommt
Die Vorsilbe Katze steht in alten Handwerkerwörtern für falsch oder wertlos, ganz ähnlich wie bei Katzensilber für Glimmer. Der wissenschaftliche Name geht dagegen auf das griechische pyr für Feuer zurück: Schlägt man Pyrit gegen Stahl, springen Funken. Genau dafür wurde er jahrhundertelang benutzt, in Feuerzeugen und in den Radschlössern früher Handfeuerwaffen.
Ist Katzengold wertlos?
Als Edelmetall ja, als Rohstoff nein. Pyrit war bis ins 20. Jahrhundert der wichtigste Ausgangsstoff für die Schwefelsäureherstellung, und in vielen Lagerstätten wird er als Nebenprodukt gewonnen, weil er Spuren von Gold, Silber und Kobalt enthält.
Für Sammler haben gut ausgebildete Würfel durchaus einen Preis, besonders die berühmten Stufen aus Navajún in Spanien mit ihren scharfkantigen, spiegelnden Würfeln. Eines sollte man dabei wissen: Pyrit ist nicht ewig haltbar. In feuchter Luft zersetzt er sich, es entsteht Schwefelsäure, das Stück zerfällt zu Pulver und greift dabei Etiketten und Nachbarstufen an. Sammlungsstücke gehören deshalb trocken gelagert.
Wer nach dem Bestimmen weitermachen will: Der Bestimmungsschlüssel grenzt einen unbekannten Fund über vier Fragen ein, und was beim Sammeln rechtlich erlaubt ist, steht unter Fundorte und Sammelrecht.