Sonnenstein

Sonnenstein ist kein eigenes Mineral, sondern Feldspat, in dem winzige Plättchen aus Kupfer oder Hämatit glitzern. Der Name beschreibt das Aussehen, nicht die Chemie. Mit dem sagenhaften Sonnenstein der Wikinger hat er nach allem, was man weiß, nichts zu tun.

Feldspat mit Glitzer

Als Sonnenstein gilt jeder Feldspat, der durch eingelagerte Plättchen glitzert. Das kann ein Plagioklas wie Oligoklas oder Labradorit sein, aber auch ein Kalifeldspat wie Orthoklas. Der Effekt heißt Aventureszenz, derselbe wie beim Aventurin. Kleine Plättchen erzeugen nur einen Schimmer, größere ein deutliches Glitzern.

In Material aus Indien, Norwegen und Tansania bestehen die Plättchen aus Hämatit, in afrikanischem teils auch aus Glimmer. Im Sonnenstein aus Oregon ist es gediegenes Kupfer.

Oregon: Kupfer im Labradorit

Der Oregon-Sonnenstein ist ein Labradorit aus dem Lake County, in dem Kupfer steckt, teils als sichtbare Plättchen, teils als winzige Nanopartikel. Die Plättchen glitzern, die Nanopartikel färben den Stein rot oder grün und sorgen für einen kräftigen Pleochroismus: Derselbe Stein kann aus einer Richtung rot, aus einer anderen grün aussehen. Laut GIA ist die Farbe des Oregon-Sonnensteins unbehandelt.

Der Andesin-Skandal

Ab 2002 tauchte roter Feldspat auf dem Markt auf, zuerst angeblich aus dem Kongo, ab 2006 als „tibetischer Andesin“. Die Farbe erinnerte an Oregon-Sonnenstein, der Preis auch.

Kupferdiffusion ist seitdem ein bekanntes Verfahren, das auch bei farblosem Labradorit funktioniert. Natürliche und behandelte Steine lassen sich oft nur mit mehreren aufwendigen Laborverfahren trennen.

Der Sonnenstein der Wikinger

In isländischen Sagas ist von einem „Sonnenstein“ die Rede, mit dem man die Sonne auch bei bedecktem Himmel finden konnte. Mit dem Feldspat hat das nichts zu tun. Diskutiert werden zwei andere Kandidaten: klarer Kalkspat, also Calcit, dessen Doppelbrechung polarisiertes Himmelslicht sichtbar macht, und Iolith mit seinem starken Pleochroismus.

Französische Physiker zeigten 2011 im Experiment, dass sich mit Kalkspat die Richtung der Sonne präzise bestimmen lässt. Ein Kalkspatkristall, gefunden in einem Schiffswrack vor der Kanalinsel Alderney, wird gern als Beleg genannt. Das Wrack stammt allerdings von 1592, nicht aus der Wikingerzeit. Ein archäologischer Fund aus der Wikingerzeit fehlt bis heute.

Fundorte

Oregon-Sonnenstein kommt aus dem Warner Valley und der Gegend um Plush im Lake County. Hämatit-Sonnenstein stammt aus Tamil Nadu in Indien, aus Norwegen um Tvedestrand und Arendal und aus Tansania, Labradorit-Sonnenstein auch aus der Afar-Region in Äthiopien. Anfang des 19. Jahrhunderts war Sonnenstein selten und teuer, erst Funde in Norwegen und Sibirien machten ihn häufiger.

Quellen

  1. GIA: Sunstone, Beschreibung und Geschichte
  2. Gems & Gemology 2023: Optical Effects in Oregon Sunstone
  3. Rossman: The Chinese Red Feldspar Controversy, Gems & Gemology 2011
  4. Abduriyim et al.: Research on Gem Feldspar from the Shigatse Region, Tibet, Gems & Gemology 2011
  5. Gems & Gemology 2022: Red Feldspar
  6. CIBJO Retailers’ Reference Guide, Gemstones (2021)
  7. Ropars et al.: A depolarizer as a possible precise sunstone, Proc. R. Soc. A 468 (2012)