Labradorit
Labradorit ist ein Plagioklas mit 50 bis 70 Prozent Calciumanteil. Bekannt ist er für die Labradoreszenz: Aus einem bestimmten Blickwinkel leuchtet eine Fläche kräftig blau, grün oder goldgelb auf, einen Schritt weiter ist derselbe Stein wieder unscheinbar dunkelgrau.
Wie der Schiller entsteht
Labradorit ist ein Abschnitt der Plagioklas-Reihe zwischen dem Natriumfeldspat Albit und dem Calciumfeldspat Anorthit. In einem schmalen Bereich dieser Reihe, bei etwa 46 bis 60 Prozent Anorthit, entmischt sich der Kristall beim langsamen Abkühlen in zwei Sorten dünner Schichten: etwas calciumreichere von 70 bis 200 Nanometern und natriumreichere von 50 bis 100 Nanometern. Nach ihrem Entdecker heißt diese Verwachsung Bøggild-Entmischung.
Diese Schichten wiederholen sich viele Male und wirken wie ein Stapel sehr dünner Filme. Licht, das an den Grenzflächen zurückgeworfen wird, überlagert sich, und nur eine Farbe wird verstärkt. Welche, hängt an der Dicke eines Schichtpaares: Um 150 Nanometer ergibt Blau, mit zunehmender Dicke folgen Grün und Gelb, ab etwa 250 Nanometern Rot.
Weil alle Schichten parallel liegen, leuchtet der Schiller nur, wenn Licht und Auge im richtigen Winkel dazu stehen. Schwankt die Schichtdicke innerhalb eines Kristalls, zeigt ein Stück mehrere Farbzonen nebeneinander.
Woran man Labradorit erkennt
Das auffälligste Merkmal ist der Schiller selbst: eine zusammenhängende Fläche, die beim Drehen plötzlich aufleuchtet und ebenso plötzlich wieder erlischt. Aus den meisten Winkeln wirkt Labradorit dunkelgrau bis rauchgrau. Diese Körperfarbe stammt von Einschlüssen aus Eisenoxiden, vor allem feinen Nadeln aus Magnetit sowie Plättchen aus Hämatit und Ilmenit.
Auf einer Spaltfläche zeigt Labradorit oft die feine parallele Streifung, die alle Plagioklase haben. Sie trennt ihn sicher von Kalifeldspäten wie dem Mondstein. Mit einer Mohshärte von 6 bis 6,5 ritzt er Glas, spaltet aber leicht, weshalb Anhänger und Ringsteine an den Kanten gern absplittern.
Behandelt wird Labradorit in aller Regel nicht. Bemalte Stücke gibt es, sie gelten als Kunsthandwerk. Eine verbreitete künstliche Imitation ist nicht bekannt. Verwechslungen kommen eher mit anderen schillernden Gesteinen vor, etwa dem grönländischen Nuummit, einem Amphibolgestein, oder dem Larvikit.
Spektrolith aus Finnland
Spektrolith ist der Handelsname für Labradorit aus dem Steinbruch Ylämaa bei Lappeenranta im Südosten Finnlands. Das Material zeigt auf besonders dunklem Grund ein ungewöhnlich vollständiges Farbspektrum, daher der Name.
Gefunden wurde das Vorkommen 1940 beim Bau der Salpa-Linie, einer Verteidigungsstellung an der Grenze zur Sowjetunion. Den Namen prägte der finnische Geologe Aarne Laitakari, abgebaut wurde erst nach dem Krieg. Das GIA führt Spektrolith mit einer Dichte von 2,70 und einer Lichtbrechung von 1,57, also mit genau den Werten eines gewöhnlichen Labradorits.
Auch der Regenbogenmondstein ist mineralogisch ein Labradorit, nur mit hellem, fast farblosem Grundkörper. Warum er trotzdem Mondstein heißt, steht beim Mondstein.
Labradorit oder Larvikit
Polierter Larvikit aus Norwegen, im Handel „Blue Pearl“, ist einer der verbreitetsten Natursteine für Fassaden, Tresen und Grabsteine. Wegen seines blauen Aufblitzens wird er ständig für Labradorit gehalten. Der Schiller stammt aber von einem anderen Feldspat, dem Anorthoklas, und gehört damit zur Mondstein-Familie.
- Was es ist unterscheidet sicher
- ein Feldspat, oft ein einzelner großer Kristall
- ein Gestein aus vielen Feldspatkörnern
- Schiller unterscheidet sicher
- eine zusammenhängende Fläche
- viele einzelne Körner, die getrennt aufblitzen
- Schillernder Feldspat
- Plagioklas
- Anorthoklas
- Farbe des Schillers
- blau, grün, gold, selten rot
- meist silbrig blau
- Verwendung
- Schmuckstein, Handschmeichler
- Werkstein für Fassaden und Grabsteine
Leuchtet eine große Fläche einheitlich auf, ist es Labradorit. Blitzen viele zentimetergroße Körner einzeln und in unterschiedlichen Winkeln, ist es Larvikit.
Name und Vorkommen
Der Name geht auf die Halbinsel Labrador in Kanada zurück. Die Typlokalität liegt bei Ford Harbour auf Pauls Island vor der Küste Labradors, um 1770 gelangten erste Stücke nach Europa.
Als Gemengteil ist Labradorit weit verbreitet, in Gabbro und Basalt ebenso wie in Anorthositen, die fast nur aus Plagioklas bestehen. Schillern tut er aber nur dort, wo das Gestein sehr langsam in der Tiefe abgekühlt ist. Im Basalt fehlt dafür die Zeit, dort ist Labradorit ein unauffälliges graues Korn. Die besten Qualitäten kommen aus Kanada, Finnland und Madagaskar.
Quellen
- Jin, Renfro, Palke, Shigley: Structures Behind the Spectacle, Gems & Gemology 61(2), 2025
- Handbook of Mineralogy: Labradorit (PDF, Mineralogical Society of America)
- European Journal of Mineralogy 34 (2022): Labradoreszenz, Lamellendicke und Farbe
- GIA Sammlungsblatt: Feldspar, Labradorite (Spektrolith, Ylämaa)
- GIA: Moonstone Description, zum Regenbogenmondstein

