Amazonit
Amazonit ist grüner bis blaugrüner Mikroklin, ein Kalifeldspat. Seine Farbe kommt von Blei, das zusammen mit Wasser im Kristallgitter sitzt und durch natürliche Strahlung aktiviert wurde. Typisch sind die weißen Streifen, die sich durch den Stein ziehen.
Warum Blei ihn grün macht
Bei einem grünen Mineral denkt man zuerst an Kupfer, doch das ist hier nicht die Ursache. Die maßgebliche Untersuchung stammt von Anne Hofmeister und George Rossman aus dem Jahr 1985. Danach wird Kalifeldspat nur dann zu Amazonit, wenn er zwei Dinge enthält: Blei und in das Gitter eingebautes Wasser. Natürliche radioaktive Strahlung verändert die Ladung der Bleiatome, und diese Farbzentren absorbieren rotes Licht. Das Wasser wirkt dabei als Vermittler.
Daraus folgt eine Eigenschaft, die beim Umgang mit dem Stein wichtig ist: Hitze zerstört die Farbe. Wird Amazonit nur kurz und unter etwa 500 °C erhitzt, lässt sich das Grün durch Bestrahlung wiederherstellen. Nach längerem Erhitzen kommt es nicht zurück, stattdessen entsteht eine rauchige Tönung wie bei Rauchquarz.
Weiße Streifen und Gitter
Kaum ein Amazonit ist einfarbig grün. Fast immer ziehen sich weiße Streifen oder Flecken durch den Stein. Das ist Albit, der Natriumfeldspat, der sich beim Abkühlen aus dem Kalifeldspat ausgeschieden hat. Diese Verwachsung heißt Perthit.
Amazonit oder Mondstein
Auf den ersten Blick haben die beiden nichts gemeinsam. Tatsächlich sind sie eng verwandt: Beide sind Kalifeldspat, in dem sich Albit entmischt hat. Der Unterschied liegt in der Größe der Albitschichten.
- Albitschichten unterscheidet sicher
- grob, als weiße Streifen sichtbar
- unsichtbar fein, erzeugen den Lichtschein
- Farbe unterscheidet sicher
- blaugrün durch Blei
- farblos bis milchig mit bläulichem Schein
- Kalifeldspat
- Mikroklin
- Orthoklas oder Sanidin
- Kristallsystem
- triklin
- monoklin
- Dichte
- 2,54–2,58 g/cm³
- 2,56–2,62 g/cm³
Dasselbe Prinzip in zwei Größenordnungen: Sind die Albitschichten dick genug, um sie zu sehen, entstehen Streifen. Sind sie dünner als eine Lichtwelle, entsteht Schein.
Empfindlich und oft imprägniert
Wie alle Feldspäte spaltet Amazonit vollkommen nach zwei Richtungen, die fast im rechten Winkel zueinander stehen. Ein Stoß an der falschen Stelle genügt, und der Stein bricht entlang einer glatten Fläche. Ultraschall ist deshalb tabu, und Hitze wegen der Farbe ohnehin.
Das GIA zählt Amazonit zu den Steinen, die am häufigsten mit Wachs oder Kunststoff imprägniert werden. Das füllt feine Risse und verbessert den Glanz. Gems & Gemology berichtete 2017 von blauen Amazonitperlen, die vollständig mit Kunstharz getränkt waren und in Aceton trüb wurden.
Name, Geschichte, Fundorte
Benannt ist Amazonit nach dem Amazonas, obwohl dort keine Lagerstätte bekannt ist. Der Name bezog sich vermutlich ursprünglich auf einen anderen grünen Stein und wurde später übertragen.
Im alten Ägypten war Amazonit vom Mittleren bis zum Neuen Reich verbreitet, abgebaut unter anderem am Gebel Migif in der Ostwüste. Eine Halskette der Prinzessin Sithathoriunet aus der 12. Dynastie verbindet ihn mit Karneol und Lapislazuli.
Die bekanntesten Stufen kommen aus Colorado, vor allem vom Pikes Peak, wo Amazonit zusammen mit dunklem Rauchquarz wächst. Weitere Vorkommen liegen in Russland, Madagaskar, Brasilien, Myanmar und Vietnam.
Quellen
- Handbook of Mineralogy: Mikroklin (PDF, Mineralogical Society of America)
- Hofmeister, Rossman: A spectroscopic study of amazonite, American Mineralogist 70 (1985)
- CIBJO Retailers’ Reference Guide, Gemstones (2021)
- GIA: Gem Treatment, Imprägnierung mit Wachs und Kunststoff
- Gems & Gemology 2017, Gem News International: imprägnierter Amazonit
- Harrell: Gemstones, UCLA Encyclopedia of Egyptology (2012)


