Lapislazuli
Lapislazuli ist kein Mineral, sondern ein Gestein. Sein Blau stammt vom Lasurit, dazu kommen weißer Calcit und goldglänzender Pyrit. Seit mehr als 6.000 Jahren wird er in Afghanistan abgebaut, und über Jahrhunderte war er die einzige Quelle für das Malerblau Ultramarin.
Woraus Lapislazuli besteht
Das blaue Mineral im Lapislazuli heißt Lasurit und gehört zur Sodalith-Gruppe. Um ihn herum sitzen weißer Calcit und kleine, messinggelb glänzende Körner aus Pyrit, dazu in geringen Mengen Diopsid, Amphibol, Feldspat und Glimmer. Der Handel bewertet genau dieses Gemenge: Je gleichmäßiger und tiefer das Blau, je weniger Calcit und je feiner verteilt der Pyrit, desto wertvoller der Stein.
Entstanden ist Lapislazuli, als heiße Lösungen aus einem Magmakörper in Kalkstein eindrangen. Der Kalk wurde dabei zu Marmor, und in der Kontaktzone bildeten sich neue Minerale, darunter der Lasurit. Die großen Lagerstätten liegen deshalb in Marmor.
Woher das Blau kommt
Lasurit ist ein Alumosilikat, in dessen Gerüst Hohlräume mit Natrium, Calcium und Schwefel sitzen. Die Farbe stammt von einem ungewöhnlichen Baustein: drei aneinander gebundenen Schwefelatomen mit einer überzähligen negativen Ladung. Dieses Radikalanion absorbiert gelbes und rotes Licht, übrig bleibt ein tiefes, leicht violettstichiges Blau. Derselbe Farbträger steckt im künstlichen Ultramarin.
Auf einer unglasierten Porzellanplatte hinterlässt Lapislazuli einen hellblauen Strich. Das ist einer der einfachsten Tests überhaupt, weil die häufigste Verwechslung, der Sodalith, weiß streicht.
Echt, gefärbt oder Imitation
Echter Lapislazuli wird häufig nachbehandelt. Das GIA nennt drei übliche Schritte: Färben, um das Blau zu vertiefen und weiße Calcitflecken zu überdecken, Imprägnieren mit Wachs oder Öl, das den Glanz verbessert, und Versiegeln mit Wachs oder Kunststoff, damit gefärbte Farbe nicht abgeht. Die Stabilität solcher Behandlungen ist nur mäßig.
Gefärbte Ware verrät sich oft selbst: Ein mit Aceton oder Brennspiritus getränktes Wattestäbchen, an einer unauffälligen Stelle gerieben, färbt sich blau. Vorsicht bei versiegelten Steinen, das Lösungsmittel greift die Versiegelung an.
Daneben gibt es reine Imitationen:
- Gefärbter Jaspis oder Chalcedon, im Handel als „Swiss Lapis“ oder „Deutscher Lapis“. Blau durchgefärbt, aber ohne Calcit und ohne Pyrit. Siehe Jaspis.
- Gilson-Imitation, seit Anfang der 1970er Jahre keramisch hergestellt. Sie enthält Pyrit, aber keinen Calcit, und gilt als Imitation, nicht als synthetischer Lapislazuli.
- Kunststoff mit eingerührtem Lapispulver und Pyritsplittern, außerdem Glas und synthetischer Spinell.
Eine Faustregel daraus: Ein Stein ganz ohne weiße Stellen und ohne jedes Goldkorn ist verdächtig. Pyrit ohne jeden Calcit ebenfalls.
Lapislazuli oder Sodalith
Sodalith ist ein eigenständiges Mineral aus derselben Gruppe wie der Lasurit und wird oft als Lapislazuli angeboten oder damit verwechselt. Er ist deutlich billiger.
- Strichfarbe unterscheidet sicher
- hellblau
- weiß
- Dichte unterscheidet sicher
- 2,5–3,0 g/cm³
- 2,27–2,33 g/cm³
- Was es ist
- Gestein aus mehreren Mineralen
- ein einzelnes Mineral
- Lichtbrechung
- um 1,50
- 1,483–1,487
Der Strichtest entscheidet: Bleibt auf der Rückseite einer Fliese ein blauer Strich, ist es Lapislazuli. Ein weißer Strich bei blauem Stein spricht für Sodalith.
Ultramarin: teurer als Gold
Der Name des Pigments bedeutet „jenseits des Meeres“, denn der Stein kam aus Afghanistan über das Meer nach Europa. In der Renaissance war natürliches Ultramarin zeitweise wertvoller als Gold. Maler setzten es sparsam ein, für den Alltag griffen sie zum billigeren Azurit.
Einfach zerstoßener Lapislazuli ergibt nur ein graues Blau, weil Calcit und die übrigen Minerale mitgemahlen werden. Um 1400 beschrieb der Maler Cennino Cennini das Verfahren, mit dem man den Lasurit herauslöst: Das Pulver wird mit Kiefernharz, Mastix und Wachs zu einem Teig geknetet und dann in Lauge ausgewaschen. Die blauen Teilchen lösen sich zuerst, die übrigen bleiben im Teig. Die ersten Auszüge ergeben das beste Blau, spätere immer blassere Sorten.
Johannes Vermeer verwendete Ultramarin großzügig. Beim Mädchen mit dem Perlenohrring besteht das blaue Kopftuch daraus, und selbst in den Schatten der gelben Jacke steckt es. Das Mauritshuis in Den Haag hat das Pigment auf Lapislazuli aus Afghanistan zurückgeführt.
Das Ende kam aus dem Labor. 1824 lobte die französische Société d'Encouragement einen Preis von 6.000 Franc für ein künstliches Ultramarin aus. Jean-Baptiste Guimet fand 1826 ein Verfahren und erhielt den Preis 1828, fast gleichzeitig veröffentlichte Christian Gmelin in Tübingen einen eigenen Weg. Seitdem ist Ultramarin billig, das Naturpigment spielt nur noch in der Restaurierung eine Rolle.
Fundorte und Geschichte
Die klassische Lagerstätte ist Sar-e-Sang in der Provinz Badachschan im Nordosten Afghanistans. Dort wird Lapislazuli seit mehr als 6.000 Jahren abgebaut, und von dort stammen auch die ältesten Funde: Perlen aus Mehrgarh im heutigen Pakistan reichen bis ins 7. Jahrtausend vor Christus zurück. In den Königsgräbern von Ur in Mesopotamien, um die Mitte des 3. Jahrtausends vor Christus, lag Lapislazuli aus Badachschan neben Gold und Karneol.
Ein zweites bekanntes Vorkommen liegt in Chile. In der Region Coquimbo wird seit 1905 in rund 3.500 Metern Höhe abgebaut. Das Material ist oft heller und calcitreicher, die besten Stücke kommen laut Gems & Gemology aber an gute afghanische Qualität heran. Kleinere Vorkommen liegen am Baikalsee in Russland, im Pamir in Tadschikistan, in Myanmar und in den USA.
Pflege
Weil Lapislazuli Calcit enthält, greift jede Säure ihn an, schon Zitronensaft oder Essigreiniger. Zum Reinigen genügt warmes Seifenwasser, vorher an einer unauffälligen Stelle getestet. Gewachste und versiegelte Steine vertragen weder Hitze noch Lösungsmittel. Mit einer Härte von 5 bis 6 zerkratzt Lapislazuli außerdem leicht, wenn er mit härteren Steinen in derselben Schmuckschatulle liegt.
Quellen
- GIA: Lapis Lazuli, Beschreibung und Behandlungen
- GIA: Lapis Lazuli Care and Cleaning
- Handbook of Mineralogy: Lasurit (PDF, Mineralogical Society of America)
- Handbook of Mineralogy: Sodalith (PDF, Mineralogical Society of America)
- Coenraads, Canut de Bon: Lapis Lazuli from the Coquimbo Region, Chile, Gems & Gemology 2000
- IUGS Geoheritage: The Sar-e-Sang lapis lazuli deposit
- Mauritshuis: Das blaue Pigment im Mädchen mit dem Perlenohrring
- ColourLex: Ultramarine, natural

