Karneol
Karneol ist Chalcedon, also feinstkristalliner Quarz, in dem fein verteilte Eisenoxide stecken. Sie färben ihn gelborange bis orangerot. Seit Jahrtausenden wird er zu Perlen und Siegeln verarbeitet, und fast ebenso lange wird er gebrannt, damit das Rot kräftiger wird.
Chalcedon mit Eisen
Karneol ist eine Farbvarietät von Chalcedon. Der besteht aus winzigen Quarzfasern, die man nur unter dem Mikroskop sieht, oft vermischt mit Moganit, einer zweiten Form von SiO2. Die Kristalle sind so klein, dass der Stein keine Kristallflächen zeigt, sondern als Knolle oder Kruste wächst und wachsartig glänzt.
Die Farbe kommt von Eisenoxiden und Eisenhydroxiden, die fein verteilt zwischen den Fasern sitzen. Rotes Eisenoxid, also Hämatit, ergibt das kräftige Orangerot. Die Messwerte sind die des Chalcedons: Mohshärte 6,5 bis 7, Dichte um 2,60 g/cm³, Lichtbrechung 1,535 bis 1,539.
Karneol oder Sarder
Sarder ist derselbe eisenhaltige Chalcedon in dunkleren, bräunlicheren Tönen. Die Grenze ist fließend, eine Messgröße gibt es dafür nicht, entschieden wird nach Augenmaß.
- Farbe unterscheidet sicher
- gelborange bis orangerot, auch bräunlich orange
- dunkel bräunlich rot bis braun
- Sättigung unterscheidet sicher
- kräftig, leuchtet im Durchlicht
- gedämpfter als Karneol
- Material
- Chalcedon
- Chalcedon
- Farbursache
- Eisenoxide und -hydroxide
- Eisenoxide und -hydroxide
Leuchtend und eher orange heißt Karneol, dunkel und eher braun heißt Sarder. Beides ist dasselbe Material, der Übergang ist stufenlos.
Gebrannt seit der Antike
Gelber bis brauner Chalcedon wird beim Erhitzen röter. Chemisch geschieht dabei etwas Einfaches: Das gelbbraune Eisenhydroxid gibt sein Wasser ab und wird zu rotem Hämatit. Das Brennen verstärkt also eine Farbe, die als Eisen schon im Stein steckt.
Das Verfahren ist uralt. In der Indus-Kultur wurde Karneol zu Perlen verarbeitet und dafür erhitzt, aus den Werkstätten von Chanhu-daro und Lothal stammen die berühmten geätzten Karneolperlen mit weißem Muster. In Khambhat im indischen Gujarat wird Karneol bis heute mehrfach gebrannt. Auch im Grab des Tutanchamun, um 1300 vor Christus, lag bereits erhitzter Karneol.
Gefärbter Achat
Anders sieht es bei gefärbter Ware aus. Chalcedon ist porös genug, um fast jede Farbe anzunehmen, und in gebändertem Material saugen nur die poröseren Lagen die Farbe auf. Aus hellem Achat wird so ein rot gestreifter Stein, der als Karneol verkauft wird. Das Färben von Achat wurde in Idar-Oberstein bis etwa 1820 perfektioniert und dort im großen Stil betrieben, mit Rohmaterial aus Brasilien.
Als Faustregel gilt: Eine deutliche Achatbänderung mit scharf abgesetzten roten und hellen Lagen spricht eher für gefärbten Achat, eine weiche, wolkige Farbverteilung eher für natürlichen Karneol. Sicher ist das nicht, denn auch natürlicher Chalcedon zeigt manchmal breite Farbbänder. Gleichmäßig durchgefärbte, völlig makellose Stücke mit Bläschen sind dagegen meist Glas.
Perle und Siegelstein
Karneol gehört zu den am längsten genutzten Schmucksteinen überhaupt. In Ägypten ist er von der Vorzeit bis in die römische Epoche belegt, mit einer eigenen Mine am Stela Ridge bei Gebel el-Asr in der Westwüste. Aus den Königsgräbern von Ur in Mesopotamien stammt Kopfschmuck aus Gold, Lapislazuli und Karneol.
Besonders beliebt war er als Siegelstein. Schon der römische Gelehrte Plinius lobte Sarder und Sardonyx dafür, dass das Siegelwachs beim Abdrücken nicht am Stein kleben bleibe. Das ist eine antike Behauptung, keine geprüfte Materialeigenschaft, zeigt aber, wie hoch der Stein für diesen Zweck geschätzt wurde.
Der Name geht auf mittellateinisch corneolus zurück, das meist von cornum abgeleitet wird, der Kornelkirsche. Die heutige Schreibung mit „Kar-“ entstand vermutlich durch Anlehnung an lateinisch caro, carnis, Fleisch.
Fundorte
Chalcedon kommt weltweit vor. Für Karneol ist Indien seit der Indus-Kultur, etwa 2600 bis 1900 vor Christus, das klassische Zentrum, mit Khambhat in Gujarat als Ort der Verarbeitung. Große Mengen Chalcedon kommen außerdem aus Brasilien, weitere Vorkommen liegen in Russland, Australien und den USA. Deutsche Achat- und Chalcedonvorkommen spielen heute nur noch historisch eine Rolle.
Quellen
- CIBJO Retailers’ Reference Guide, Gemstones (2021)
- Handbook of Mineralogy: Quarz (PDF, Mineralogical Society of America)
- Nassau: The Early History of Gemstone Treatments, Gems & Gemology 1984
- npj Heritage Science 2023: Raman-Untersuchung an Karneolperlen
- Harappa.com: Etched carnelian beads
- Harrell: Gemstones, UCLA Encyclopedia of Egyptology (2012)
- Plinius: Naturalis historia, Buch 37 (englische Übersetzung)

