Sternzeichen und Geburtssteine
Wer zwei Listen von Sternzeichensteinen nebeneinanderlegt, findet regelmäßig zwei verschiedene Steine für dasselbe Zeichen. Das ist kein Versehen, sondern folgt aus der Entstehungsgeschichte: Es gibt keine ursprüngliche Liste, von der die anderen abweichen.
Der Ursprung liegt im Alten Testament
Im Buch Exodus, Kapitel 28, wird das Brustschild des Hohepriesters Aaron beschrieben. Es trägt zwölf Steine in vier Reihen, je einer für einen der zwölf Stämme Israels. Das ist der älteste greifbare Zwölferkatalog von Steinen im europäischen Kulturraum, und er hat mit Geburtsdaten zunächst nichts zu tun.
Die Verbindung zu Zeit und Himmel stellen erst zwei spätantike Autoren her. Der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus setzt im ersten Jahrhundert die zwölf Steine mit den zwölf Monaten und den zwölf Tierkreiszeichen in Beziehung. Der Kirchenvater Hieronymus greift diese Deutung im vierten Jahrhundert auf.
Damit ist der Grundstein gelegt, aber es geht noch immer nicht um persönliche Geburtssteine. Wer die Steine besaß, trug alle zwölf, nicht einen.
Wie daraus Monatssteine wurden
Die Idee, jeweils nur den Stein des eigenen Geburtsmonats zu tragen, ist deutlich jünger. Sie wird in Europa ab dem 16. Jahrhundert greifbar und setzt sich im 18. Jahrhundert durch, verbreitet unter anderem über Polen und den Handel mit Schmucksteinen.
Was dabei passiert, ist bemerkenswert: Aus einem religiösen Symbol für die Gesamtheit der zwölf Stämme wird ein persönliches Schmuckstück, und aus einem Satz von zwölf werden zwölf Einzelverkäufe.
Die Liste von 1912
Die heute im Handel verbreitete Zuordnung ist keine Überlieferung, sondern eine Festlegung. 1912 einigte sich der amerikanische Juwelierverband, die damalige National Association of Jewelers, auf eine verbindliche Liste von Monatssteinen. Sie wurde später mehrfach ergänzt, unter anderem 1952, 2002 und 2016.
| Monat | Stein nach der Handelsliste | Mineralogisch |
|---|---|---|
| Januar | Granat | Granatgruppe, mehrere Arten |
| Februar | Amethyst | Quarzvarietät |
| März | Aquamarin | Beryll, blaue Varietät |
| April | Diamant | Diamant |
| Mai | Smaragd | Beryll, grüne Varietät |
| Juni | Perle, Mondstein, Alexandrit | Perle ist kein Mineral, Mondstein ein Feldspat |
| Juli | Rubin | Korund, rote Varietät |
| August | Peridot, Spinell | Peridot ist Olivin in Edelsteinqualität |
| September | Saphir | Korund, alle Farben außer Rot |
| Oktober | Opal, Turmalin | Opal, Turmalin |
| November | Topas, Citrin | Topas, Citrin als Quarzvarietät |
| Dezember | Türkis, Tansanit, Zirkon | drei völlig verschiedene Minerale |
Warum die Listen auseinandergehen
Neben der amerikanischen Handelsliste existieren mindestens drei weitere Systeme, die sich gegenseitig widersprechen.
- Monatssteine nach der Handelsliste, die häufigste Variante im Schmuckhandel.
- Tierkreissteine nach astrologischen Werken, die den zwölf Zeichen folgen und nicht den Kalendermonaten. Da ein Sternzeichen zwei Monate überlappt, ergeben sich zwangsläufig andere Zuordnungen.
- Planetensteine, die den klassischen sieben Planeten zugeordnet sind und über diese wiederum den Zeichen.
- Traditionelle europäische Listen, die regional stark abweichen.
Weil kein System das ursprüngliche ist, gibt es auch keinen Maßstab, an dem sich die anderen als falsch erweisen ließen. Wer zwei Quellen vergleicht und einen Unterschied findet, hat nicht einen Fehler entdeckt, sondern zwei verschiedene Traditionen.
Das Übersetzungsproblem
Ein zweiter Grund für die Unterschiede liegt in den Namen selbst. Die Steinbezeichnungen in den alten Quellen lassen sich nicht zuverlässig auf heutige Minerale abbilden.
| Antiker Name | Meint vermutlich | Heute versteht man darunter |
|---|---|---|
| Saphir (sappir) | Lapislazuli | blauer Korund |
| Karfunkel | Granat, teils Rubin | kein mineralogischer Begriff |
| Smaragd (smaragdos) | alle grünen Steine, oft Malachit oder Jaspis | ausschließlich grüner Beryll |
| Topas (topazos) | vermutlich Peridot von der Insel Zabargad | Topas, ein Alumosilikat |
| Hyazinth | Zirkon, teils Granat | orangeroter Zirkon |
Bis in die frühe Neuzeit wurden Steine nach Farbe und Herkunft benannt, nicht nach Zusammensetzung. Erst die Mineralogie des 18. und 19. Jahrhunderts hat die Namen an Chemie und Kristallbau gebunden. Alle Zuordnungen, die auf antiken Texten beruhen, tragen diese Unschärfe mit sich.
Womit sich Minerale zuverlässig auseinanderhalten lassen, steht unter Minerale bestimmen.
Quellen
- Exodus 28, 17 bis 20, Beschreibung des Brustschilds
- Flavius Josephus: Antiquitates Judaicae, Buch 3, 1. Jahrhundert n. Chr.
- Jewelers of America: Birthstone-Liste von 1912 und spätere Ergänzungen
- George Frederick Kunz: The Curious Lore of Precious Stones, 1913
Fachlich zuletzt geprüft am 02.08.2026.