Spaltbarkeit und Bruch
Wie ein Mineral zerbricht, verrät seinen inneren Aufbau. Entweder es spaltet entlang ebener Flächen, dann gibt es im Kristallgitter Schwächezonen, oder es bricht unregelmäßig, dann sind die Bindungen in alle Richtungen gleich fest.
Spaltbarkeit ist nicht Bruch
Spaltbarkeit bedeutet, dass ein Mineral entlang bestimmter Ebenen auseinandergeht. Die entstehenden Flächen sind glatt und spiegeln, und sie wiederholen sich: Jedes Bruchstück zeigt dieselben Winkel.
Bruch ist alles andere. Wo keine Schwächezonen liegen, reißt das Mineral unregelmäßig, und die Fläche sieht bei jedem Stück anders aus.
Die Grade der Spaltbarkeit
| Grad | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| äußerst vollkommen | zerfällt in hauchdünne Blättchen | Muskovit, Biotit |
| sehr vollkommen | spaltet leicht und sauber | Fluorit, Galenit |
| vollkommen | spaltet gut, Flächen deutlich | Calcit, Baryt |
| unvollkommen | Ansätze erkennbar, aber nicht durchgehend | Beryll, Pyrit |
| keine | bricht immer unregelmäßig | Quarz, Granat |
Wichtig ist neben dem Grad die Zahl der Richtungen und der Winkel zwischen ihnen. Fluorit spaltet nach vier Richtungen und ergibt Oktaeder, Galenit nach drei im rechten Winkel und ergibt Würfel, Calcit nach drei schiefwinkligen und ergibt Rhomboeder.
Der Spaltwinkel als Bestimmungsmerkmal
Das nützlichste Beispiel überhaupt sind die Kettensilikate. Pyroxene und Amphibole sehen sich zum Verwechseln ähnlich, sind aber über den Spaltwinkel sicher zu trennen.
| Gruppe | Struktur | Spaltwinkel | Eindruck |
|---|---|---|---|
| Pyroxene | Einfachkette | etwa 87° und 93° | wirkt rechtwinklig |
| Amphibole | Doppelkette | etwa 56° und 124° | deutlich schief |
Der Winkel folgt direkt aus dem Bau der Ketten. Wie das zusammenhängt, steht unter Silikate.
Die Brucharten
- muschelig: glatte, gekrümmte Fläche mit konzentrischen Rippeln, wie bei dickem Glas. Typisch für Quarz und Obsidian.
- uneben: raue, unregelmäßige Fläche ohne Struktur.
- splittrig: zerfällt in längliche Splitter.
- hakig: zieht Fäden, typisch für gediegene Metalle.
- erdig: bröselig, bei weichen derben Massen.
Spröde, mild oder elastisch
Eine oft übersehene Zusatzinformation ist das Verhalten unter Druck.
- spröde: zerspringt, gibt Pulver. Die Regel bei den meisten Mineralen, etwa bei Pyrit.
- mild: lässt sich schneiden statt zu splittern, etwa Talk und Gips.
- elastisch: federt nach dem Biegen zurück. Nur bei Glimmern.
- biegsam: bleibt gebogen. Bei Chlorit und Talk.
- dehnbar: lässt sich verformen, ohne zu brechen. Bei Gold und Kupfer, und genau daran scheitert die Verwechslung mit Pyrit.
Quellen
- Handbook of Mineralogy (Mineralogical Society of America)
- Mineralienatlas: Bestimmungshilfen
- RRUFF-Datenbank (CC-BY 4.0)
Fachlich zuletzt geprüft am 02.08.2026.